34.4 Der Verlauf des Ersten Weltkriegs – aus deutscher Perspektive

Es wäre doch besser, hier nicht weiterzulaufen?

Es wäre doch besser, hier nicht weiterzulaufen?

Der Erste Weltkrieg dauerte vier Jahre. Ein so grausamer Krieg, der so lange dauerte, muss eine Entwicklung gehabt haben. Welche besonderen militärischen Ereignisse gab es? Und welche Folgen hatten diese für die beteiligten Soldaten und die Länder, aus denen sie kamen?
Was ist also in diesen Jahren an den Fronten geschehen?

1. Vom Hurra-Gebrüll zur Ernüchterung

Galerie: Jubel beim Auszug

Die Propaganda hatte den Auszug der Soldaten an die Fronten als feierliches Ereignis dargestellt. Immer waren die Straßen von jubelnden Menschen gesäumt, wenn Reporter vorbeimarschierende Soldaten fotografierten und über den Aufmarsch der Truppen berichteten. Dadurch entstanden große Hoffnungen auf einen schnellen, siegreichen Krieg. "Weihnachten sind wir wieder zu Hause", sagten die Soldaten. Sie dachten, die Feinde würden sich so schnell besiegen lassen wie bei den sogenannten Reichseinigungskriegen (siehe Kapitel 30). Das erwies sich als großer Trugschluss.

Quelle 1

Der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg über die deutschen Chancen in einem kommenden Krieg (1913)

Am schwersten hat mich der Einblick belastet, den mich die Militärs in unsere Stärkeverhältnisse haben tun lassen. Man muß schon einen guten Teil Gottvertrauen haben, und auf die russische Revolution als Bundesgenossen rechnen, wenn man einigermaßen gut schlafen will.

Jost Dülffer, Kriegswerwartung und Kriegsbild in Deutschland vor 1914, in: Wolfgang Michalka (Hg.), Der Erste Weltkrieg. Wirkung, Wahrnehmung, Analyse, München/Zürich 1994, S. 779.

Quelle 2

Der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke im Jahr 1905 über den kommenden Krieg

Es wird ein Volkskrieg werden, der nicht mit einer entscheidenden Schlacht abzumachen sein wird, sondern der ein langes mühevolles Ringen mit einem Lande sein wird, das sich nicht eher überwunden geben wird, als bis seine ganze Volkskraft gebrochen ist, und der auch unser Volk, selbst wenn wir Sieger sein sollten, bis aufs äußerste erschöpfen wird.

Stig Förster, Der Sinn des Krieges, in: Gerd Krumeich und Hartmut Lehmann (Hgg.), "Gott mit uns." Nation, Religion und Gewalt im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Göttingen 2000, S. 201.

Aufgabe 1

  1. Vergleiche den Autorentext 'Vom Hurra-Gebrüll zur Ernüchterung' mit den Aussagen in den Quellen 1 und 2.
  2. Stelle Vermutungen über die Gründe der Unterschiede zwischen den Texten an.

2. Kurze Offensive und dann Stellungskrieg

Galerie: Schlacht an der Marne (1914)

Deutscher Angriff an der Westfront

Der Angriff der deutschen Truppen im Westen folgte den nur leicht veränderten Plänen des Grafen Schlieffen. Fünf deutsche Armeen begannen am 18. August ihren Vormarsch auf Belgien, Luxemburg und Frankreich. Mit voller Wucht sollte Frankreich schnell niedergeworfen werden. Doch schon nach wenigen Tagen verlangsamte sich der Vormarsch. Nicht nur die belgischen Truppen leisteten mehr Widerstand, als die deutschen Generäle erwartet hatten, auch die französischen Truppen liefen nicht einfach weg. Am 30. August erreichten die deutschen Truppen den Fluss Marne und standen nur noch 60 Kilometer vor Paris. In der Schlacht an der Marne vom 5. bis 12. September 1914 gelang den Deutschen jedoch kein Durchbruch. Sie zogen sich zurück. 
Nun versuchten die Gegner, sich nördlich zu umgehen. Ein 'Wettlauf zum Meer' brach aus. Doch auch dabei gelang es den Deutschen nicht, die Häfen an der Kanalküste zu erobern. Die gesamte Frontlinie von der Nordsee bis zu den Vogesen erstarrte: Die Truppen begannen, befestigte Stellungen zu bauen.

Kämpfe an der Ost- und Südostfront

Im Osten rückten die russischen Truppen deutlich schneller voran, als die Deutschen erwartet hatten. Sie nahmen große Teile Ostpreußens ein. Die zu Kommandeuren ernannten Generäle Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff errangen in den Schlachten von Tannenberg (26. bis 30. August 1914) und an den Masurischen Seen Siege gegen die Russen. Damit wurde der russische Vormarsch gestoppt und Ostpreußen zurückerobert. Da niemand diese Siege erwartet hatte und die deutschen Truppen in Unterzahl gekämpft hatten, wurden Hindenburg und Ludendorff fortan wie Helden verehrt.
Österreich-Ungarn musste bei dem Versuch, Serbien zu erobern, große Verluste hinnehmen. 

Unterlegenheit auf See

Auf See zeigte sich, dass die deutsche Kriegsflotte gegen die britische Übermacht nichts ausrichten konnte. Die See-blockade, die die Briten errichtet hatten, um Deutschland vom Welthandel abzuschneiden, konnte sie nicht brechen. Angriffe auf die britische Flotte blieben ohne Effekt. 

3. Große Schlachten ohne Sieger

Galerie: Schlacht an der Somme (1916)

Nach der anfänglichen Bewegung erstarrten die Fronten fast überall in Zentraleuropa und der Krieg zog sich in die Länge. Keine Seite hatte die Kraft für einen entscheidenden Schlag. Das änderte den Charakter des Krieges. Er wurde zu einem Ressourcen- und Erschöpfungskrieg. Das heißt, die Befehlshaber setzten darauf, dass dem Gegner nach endlosen Angriffen und großen Materialschlachten irgendwann Waffen, Munition und Menschen ausgehen würden.
Trotzdem nährten neue Waffen und Techniken immer wieder die Hoffnung, dass es doch möglich sein würde, den Gegner an der Front zu besiegen. Die deutschen Truppen setzten in der Schlacht von Ypern (Belgien) im Frühjahr 1915 zum ersten Mal Chlorgas als Waffe ein. Tausende Soldaten starben an Verätzungen. 
An der Ostfront begann die russische Armee im Sommer 1916 einen neuen Angriff gegen die Mittelmächte. Während dieser sogenannten Brussilow-Offensive, die sich über eine Frontlänge von 300 Kilometern erstreckte, wurden die österreichisch-ungarische Truppen schwer bedrängt. In nur drei Tagen verloren sie etwa 200.000 Soldaten. Insgesamt gab es drei Brussilow-Offensiven. Sie führten allein auf russischer Seite zu Verlusten von 1,5 Millionen Soldaten.
Alle diese Offensiven und Schlachten konnten den Krieg jedoch nicht entscheiden.

Aufgabe 2

Vergleiche anhand von Bildern den Beginn des Krieges mit dem Krieg im Jahr 1916. Gehe dabei folgendermaßen vor:

  • Suche dir in den Galerien 'Schlacht an der Marne' und 'Schlacht an der Somme' jeweils ein Bild aus, welches das damalige Kriegsgeschehen deiner Meinung nach gut widerspiegelt.
  • Trage die Informationen, die du aus den Bildern erhältst, in die unten angelegte Tabelle ein.
  • Verfasse dann einen kurzen Text, der die Veränderung des Krieges anhand der Informationen aus den Bildern beschreibt.
Bild von der Marne Bild von der Somme
Titel des Bildes #x1y1# #x2y1#
Informationen aus dem Bild #x1y2# #x2y2#
Veränderung des Kriegs zwischen 1914 und 1916
#xy#
Deutsche Soldaten versprühen Giftgas in Richtung der feindlichen Linien.
Bundesarchiv, Bild 183-F0313-0208-007 / CC-BY-SA 3.0
Gaskrieg (Luftbild)
Stand: 05.07.2016
CC 3.0 BY-SA

Quelle 3

Der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn (1861-1922) über die Schlacht von Verdun

Die französischen Verluste vor Verdun werden auf 800.000 Mann geschätzt. Nach allgemeiner Ansicht werde bei einem Fall Verduns die Revolution ausbrechen. Die Tage des Ministeriums Briand seien [...] gezählt [...].

Briand: Aristide Briand (1862-1932) war während des Ersten Weltkriegs französischer Ministerpräsident.

Wolfgang J. Mommsen, Bürgerstolz und Weltmachtstreben. Deutschland unter Wilhelm II. 1890 bis 1918 (= Propyläen Geschichte Deutschlands, Bd. 7/2), Frankfurt am Main/Berlin 1995, S. 637.

Darstellung 1

Ressourcenkrieg: Die Schlacht von Verdun und die Schlacht an der Somme

Die folgenden Jahre waren in Zentraleuropa von einer Reihe großer Materialschlachten geprägt. Eine der furchtbarsten war die Schlacht von Verdun (Februar bis Dezember 1916). Die deutschen Kommandeure wollten mit ihrem Angriff bei Verdun den französischen Gegner "ausbluten" lassen. Gewaltiges Artilleriefeuer wurde eingesetzt. Etwa 26 Millionen Sprenggranaten wurden verschossen, dazu 100.000 Giftgasgeschosse. Beide Seiten konnten jedoch auch nach monatelangem Ringen keinen nennenswerten Geländegewinn erzielen. Auf deutscher und auf französischer Seite starben über 700.000 Soldaten. 
Bei der Schlacht am Fluss Somme kamen 1916 ähnlich viele Soldaten ums Leben. Die Grausamkeit des sinnlosen Hinschlachtens zeigte schon der erste Angriff britischer Einheiten an der Somme am 1. Juli 1916: Allein an diesem Tag verloren etwa 20.000 britische Soldaten das Leben. Sie waren gegen die deutschen Linien gestürmt, blieben dabei in Stacheldrahtverhauen hängen und wurden von Maschinengewehrfeuer umgebracht.

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

4. Der U-Boot-Krieg und seine Folgen

Galerie: Untergang der Lusitania

Die Truppen der Mittelmächte wurden an vielen Kampfschauplätzen gebunden, im Osten, im Westen und im Süden. In den Alpen lieferten sich Österreich-Ungarn und Italien zwischen 1915 und 1917 zwölf furchtbare Schlachten, bei denen Hunderttausende Soldaten den Tod fanden. In den afrikanischen Kolonien konnten deutsche Truppen schon bald nicht mehr versorgt werden. Sie führten gegen Truppen der Entente einen Guerillakrieg. Um den Durchgang vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer wurde erbittert gekämpft. Französische und britische Truppen wollten dabei das mit den Mittelmächten verbündete Osmanische Reich besiegen und die für die gesamte Schifffahrt wichtige Meerenge erobern. Für die Mittelmächte wurde die Lage immer ernster.
Durch neue Waffen versuchten die deutschen Generäle, einen Sieg zu erzwingen. So führten die Deutschen seit Februar 1915 den sogenannten 'uneingeschränkten U-Boot-Krieg' gegen alle Schiffe der Entente-Mächte auf allen Meeren. Was das bedeutete? Nun drohte auch Handels- und Passagierschiffen die Versenkung durch deutsche U-Boote. Das war eindeutig ein Bruch des Völkerrechts. Durch den U-Boot-Krieg sollten die Entente-Mächte von Nachschublieferungen über den Seeweg abgeschnitten werden. Und die deutschen Befehlshaber hofften, ihre Gegner einschüchtern zu können: 'Wir können überall und jederzeit unerkannt zuschlagen!', sollte die Botschaft sein.
Im Mai 1915 versenkte ein deutsches U-Boot den britischen Passagierdampfer RMS Lusitania. Dabei kamen auch mehr als 100 US-Staatsbürger ums Leben. Die USA drohten Deutschland daraufhin mit einer Kriegserklärung. Bis 1917 wurden weiter viele Schiffe von den deutschen U-Booten versenkt. Am 6. April 1917 traten die USA auf Seiten der Entente-Mächte in den Krieg ein. Nun floss ein großer Strom an neuen Soldaten, Waffen und Nachschub aus den USA an die europäischen Fronten.

Tabelle 1: Einsätze der deutschen U-Boot-Flotte im Ersten Weltkrieg

Anzahl der eingesetzten deutschen U-Boote380
Kampfeinsätze3.274
versenkte zivile Schiffe der Gegner (mit Bruttoregistertonnen) 6.394 (11.948.792 BRT)
versenkte Kriegsschiffe der Gegner (mit Bruttoregistertonnen)100 (366.249 BRT)
im Kampf versenkte deutsche U-Boote187
im U-Boot-Einsatz gestorbene deutsche Soldatenmehr als 5.000

Hinweis:
1 Bruttoregistertonne (BRT) war früher ein Raummaß zur Benennung der Größe von Schiffen.
1 BRT entsprach etwa 2,83 m³.

Zusammengestellt von Marcus Ventzke auf der Grundlage von dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg und Andreas Michelsen, Der U-Bootkrieg 1914–1918, Leipzig 1925.

Tabelle 2: US-Soldaten im Kampf an europäischen Fronten

in die US-Armee eingezogene Soldaten4,75 Mio.
in Europa eingesetzte US-Soldaten2,0 Mio.
in Europa gefallene US-Soldaten116.000
in Europa verwundete US-Soldaten350.000

Hinweis:
Mio. = Millionen

Zusammengestellt von Marcus Ventzke auf der Grundlage von Gerhard Spörl, US-Eintritt in den Ersten Weltkrieg. Feldzug der Friedliebenden, in: Spiegel Online, 14. Januar 2014 (= http://www.spiegel.de/einestages/erster-weltkrieg-kriegseintritt-amerikas-1917-unter-woodrow-wilson-a-953288.html [20.6.2016]).

Aufgabe 3

  1. Arbeite den Abschnitt 'Der U-Boot-Krieg und seine Folgen' und die Tabelle 1 durch. Nenne die Ziele des deutschen U-Boot-Kriegs.
  2. Recherchiere danach, ob die Ziele des U-Boot-Kriegs erreicht wurden.

5. Kampf bis zur totalen Erschöpfung

Galerie: Totale Erschöpfung
Hermann Rex (-1937), Hermann Rex: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit. Das Frontkämpferwerk. Oberammergau 1926. S. 192.
Deutsche Truppen versuchen einen englischen Mark IV Tank mit dem Flammenwerfer abzuwehren; diese Methode hatte nach zeitgenösssichen Angaben durchaus Erfolgschancen.
Stand: 05.07.2016
PD

Ende November 1917 setzten britische Truppen bei einer Offensive in Flandern zum ersten Mal Panzer (Tanks) ein. Die neue Waffe hatte einen durchschlagenden Erfolg. Angreifende Soldaten waren in ihm gegen Beschuss gesichert und der Panzer konnte die gegnerischen Stellungen durchbrechen. Die 378 Angriffs- und 98 Versorgungspanzer der Briten eroberten in wenigen Stunden fast 10 Kilometer Gelände, etwa 10.000 deutsche Soldaten wurden gefangen genommen. Auf diese Waffen hatten die Deutschen keine geeignete Antwort.
Nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution in Russland im Jahr 1917 (siehe Kapitel 35.2) und dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg warfen die Deutschen im Jahr 1918 alle verfügbaren Soldaten und Waffen an die Westfront, um in einem letzten großen Angriff den Sieg gegen die Westmächte zu erzwingen. Dieser Großangriff vom Frühjahr und Herbst 1918 konnte die alliierten Truppen zwar zurückdrängen, führte jedoch nicht zum Sieg. Den deutschen Soldaten fehlte es bald an allem: Nahrung, Munition und Waffen. Und ihre Kampfmoral war endgültig gebrochen. 
Als die Truppen der Entente im August 1918 mit 35 Divisionen, hunderten Panzern und Kampfflugzeugen zum Gegenangriff übergingen, ergaben sich erstmals viele deutsche Soldaten kampflos. Bei Amiens trieben die westlichen Alliierten einen tiefen Keil in die deutsche Frontlinie. Die militärische Niederlage Deutschlands war absehbar. Die Oberste Heeresleitung erklärte deshalb am 29. September 1918 gegenüber der Reichsregierung die Aussichtslosigkeit der militärischen Lage und forderte Waffenstillstandsverhandlungen.

Quelle 4

Das Ende des Krieges: Der Roman 'Im Westen nichts Neues' erzählt davon.

Der Roman 'Im Westen nichts Neues' erzählt die Geschichte der Figur Paul Bäumer. Bäumer erlebt den Ersten Weltkrieg als Soldat an der Front. Im Oktober 1918 fällt er. Auf den letzten Seiten des Buches, kurz vor seinem Tode in den letzten Kriegstagen, stehen folgende Zeilen:

"Wenn wir jetzt zurückkehren, sind wir müde, zerfallen, ausgebrannt, wurzellos und ohne Hoffnung. Wir werden uns nicht mehr zurechtfinden können. [...] Ich bin sehr ruhig. Mögen die Monate und Jahre kommen, sie nehmen mir nichts mehr, sie können mir nichts  mehr nehmen. Ich bin so allein und so ohne Erwartung, daß ich ihnen entgegensehen kann ohne Furcht. [...]

Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, daß der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.
Er war vornübergesunken und lag wie schlafend an der Erde. Als man ihn umdrehte, sah man, daß er sich nicht lange gequält haben konnte; – sein Gesicht hatte einen so gefaßten Ausdruck, als wäre er beinahe zufrieden damit, daß es so gekommen war."

Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues, Berlin 1928, S. 288.

Quelle 5

Das Ende des Krieges: Der Roman 'In Stahlgewinnern' erzählt ebenfalls davon.

Der Roman 'In Stahlgewittern' erzählt über die Kriegserlebnisse des Romanautors Ernst Jünger. Jünger wurde gegen Ende des Krieges im Kampf verwundet und erlebte das Kriegsende nicht an der Front.

"Wir übersprangen einige Schützenlöcher und flüchtig ausgehobene Grabenstücke. Gerade als ich mich mitten im Sprung über einem etwas sorgfältiger ausgestochenen Graben befand, riß mich ein durchdringender Stoß vor die Brust wie ein Flugwild aus der Luft. Mit einem lauten Schrei, mit dessen Gellen die Lebensluft auszuströmen schien, wirbelte ich um die Achse und klirrte zu Boden. Nun hatte es mich endlich erwischt. [...] Und seltsamerweise gehört dieser Augenblick zu den ganz wenigen, von denen ich sagen kann, daß sie wirklich glücklich gewesen sind. [...] ich lag, während die Schwestern für mich kämpften, in jenen Fieberträumen, die so oft sehr heiter sind.
An einem dieser Tage, es war der 22. September 1918, erhielt ich vom General von Busse folgendes Telegramm: 'Seine Majestät der Kaiser hat Ihnen den Orden Pour le mérite verliehen. Ich beglückwünsche Sie im Namen der ganzen Kompanie.'"

Orden Pour le Mérite: Der Orden Pour le Mérite (franz. "Für das Verdienst") wurde vom König in Preußen Friedrich II. (1712-1786) gestiftet und erstmalig vergeben. Er war bis 1918 eine der höchsten Militärauszeichnungen in Preußen.

Ernst Jünger, In Stahlgewittern, 33. Auflage, Weinsberg 1992, S. 316 und 324.

Aufgabe 4

  1. Arbeitet in einer Partnerarbeit die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Darstellungen der beiden Romane heraus.
  2. Erschließt die Positionen der beiden Autoren zum Ersten Weltkrieg.
    Nutzt dazu auch Informationen über die Autoren Erich Maria Remarque und Ernst Jünger aus Lexika. Erste Informationen finden sich hier und hier.
  3. Stellt eure Erkenntnisse in einem Schülervortrag vor.

Aufgabe 5

  1. Recherchiert zu Medienberichten über die heutigen Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg. Sammelt dazu Material in Zeitungen, Zeitschriften, im Internet usw.
    Achtet dabei besonders auf die Bewertungen des Kriegs.
  2. Schreibt zu einem Gedenktag einen Text über den Verlauf des Ersten Weltkriegs (Länge: höchstens eine Seite). Nutzt dabei alle Informationen dieses Kapitels.
    Geht auf folgende Punkte ein:
    • Konnten die Deutschen den Krieg gewinnen?
    • Was machte diesen Krieg so anders als vorherige Kriege?
    • Welchen Charakter hatte der Erste Weltkrieg?
    • Beurteilt und bewertet den Ersten Weltkrieg.