34.10 Neue Friedensordnungen: Völkersouveränität – Lösung aller Probleme?

Internationale Spielregeln einhalten?

Internationale Spielregeln einhalten?

Man stellt sich das so einfach vor: Wenn ein Krieg beendet ist, kommt danach der Frieden. In Wirklichkeit ist es nie so einfach. Denk mal darüber nach. Vielleicht fallen dir Gründe dafür ein, warum die Schaffung einer nach innen und außen friedlichen Gesellschaft schwierig ist.
Das Ziel von Friedensverträgen ist die schnelle Herstellung friedlicher Verhältnisse. Aber ist das überhaupt möglich?
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Woodrow Wilson, wollte nach Ende der Kämpfe gleich eine ganz neue Weltordnung zwischen den Staaten schaffen. Das sollte zu einem langfristigen und stabilen Frieden führen. Du kannst dich in diesem Kapitel damit befassen, wie sich Wilson und andere Verhandlungsführer den Frieden vorstellten und welche Folgen die Friedensschlüsse hatten.

1. Ein eigener Staat für jedes Volk – Grundlage für den Frieden?

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Woodrow Wilson (1856-1924)
Frank Graham Cootes
Official Presidential portrait of Woodrow Wilson, 1913
Stand: 30.06.2016
PD

Der US-Präsident hatte schon während des Kriegs, im Januar 1918, einen Plan für die Schaffung eines weltweiten, gerechten Friedens vorgelegt. Auch die Regierungen der Mittelmächte prüften diesen Plan intensiv. Er wurde in der deutschen Presse veröffentlicht. Die Machthaber in Deutschland und Österreich-Ungarn reagierten allerdings erst auf den Plan Wilsons, als ihre Kriegsniederlage bereits feststand. Erst am 4. Oktober 1918 sandte die deutsche Regierung ein Waffenstillstandsangebot an die US-Regierung. 
Wilsons Plan beinhaltete 14 Punkte. Er sprach sich vor allem für das Selbstbestimmungsrecht der Völker (Souveränität der Völker) aus. 

Der Gedanke einer staatlichen Eigenständigkeit für jedes Volk war in vielen europäischen Staaten neu. Die großen Reiche Mittel- und Osteuropas, zum Beispiel Russland, Österreich-Ungarn oder das Osmanische Reich, waren über Jahrhunderte durch Eroberungen oder Heiraten zwischen Angehörigen der Herrscherfamilien entstanden. So lebten mitunter Völker ganz unterschiedlicher Sprache, Religion und Lebensweise in einem Staat und wurden von einem Herrscher regiert. In einer Monarchie war es immer nur auf die Treue der Untertanen gegenüber dem herrschenden König oder Kaiser angekommen.
Im 19. Jahrhundert aber war die Idee des Nationalstaats entstanden: Ein einheitliches Volk sollte in einem einheitlichen Staat leben. Das führte zu vielen Konflikten in den alten Monarchien Europas. US-Präsident Wilson glaubte, dass die Gründung neuer, demokratischer Nationalstaaten die Probleme Europas lösen würde: Politische Selbstbestimmung für jedes Volk!

Darstellung 1

Zusammenfassung der 14 Punkte Woodrow Wilsons

  1. Abschaffung der Geheimdiplomatie 
  2. Gewährung freier Seefahrt im Frieden und im Krieg 
  3. Aufhebung der Schranken und Ungleichheiten im Handelsverkehr 
  4. Abrüstung
  5. unparteiische Regelung der kolonialen Ansprüche
  6. Räumung der durch die Mittelmächte besetzten Gebiete Russlands
  7. Wiederherstellung Belgiens 
  8. Räumung des besetzten französischen Territoriums und Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich 
  9. Berichtigung der Grenzen Italiens nach den Grenzen der Volksangehörigkeit
  10. Autonome Entwicklung der Völker Österreich-Ungarns 
  11. Räumung von Rumänien, Serbien und Montenegro sowie Rückgabe der besetzten Gebiete
  12. Autonome Entwicklung der Völker des Osmanischen Reiches 
  13. Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates unter Einschluss aller Gebiete mit polnischer Bevölkerung und mit freiem Zugang zum Meer 
  14. Zusammenschluss aller Nationen zur gegenseitigen Garantie von politischer Unabhängigkeit und territorialer Unverletzlichkeit
Zusammengefasst auf der Grundlage von http://www.documentarchiv.de/in/1918/14-punkte-wilsons.html [19.6.2016] von Marcus Ventzke.

Aufgabe 1

  1. Entwickle eigene Ideen für die Schaffung eines dauerhaften Friedens.
  2. Arbeite den 14-Punkte-Plan durch. Finde zu mindestens jedem zweiten Punkt ein erklärendes Beispiel.

2. Friedensverhandlungen

Unterzeichnen! Große Forderungen konnten die Verlierer nicht stellen. Hier sieht man die Unterschrift eines Diplomaten aus einem Verliererstaat.

Die Siegermächte der Entente kamen zu Beginn der Friedensverhandlungen zunächst unter sich zusammen und berieten über die Bedingungen für einen Friedensschluss. Die Verlierer durften an dieser Konferenz nicht teilnehmen. Erst danach wurde mit den Unterlegenen an mehreren Orten verhandelt. Im Januar begannen im Schloss von Versailles (Frankreich) die Verhandlungen über ein Friedensabkommen mit Deutschland.
Großbritannien und Frankreich hatten an vielen Fronten vier Jahre lang große Verluste erlitten und Deutschlands Widerstandskraft gebrochen. Frankreich wollte als Sieger des Krieges in den Verhandlungen erreichen, dass Deutschland dauerhaft seine militärische und wirtschaftliche Kraft für neue Kriege verlieren würde. Es strebte nach Sicherheit vor Deutschland und forderte umfangreiche deutsche Gebietsabtretungen, hohe Reparationszahlungen und eine starke Begrenzung der deutschen Rüstung. 
Großbritannien wollte ein Machtgleichgewicht auf dem europäischen Kontinent erreichen: Deutschland sollte seine Kriegsflotte verlieren, aber keine allzu großen Gebietsabtretungen erleiden. Frankreich und Deutschland sollten weiterhin als etwa gleichrangige wirtschaftliche und militärische Gegengewichte bestehen bleiben.  
Italien hingegen wollte im Mittelmeerraum die Vormacht und größere Teile des südlichen Österreich-Ungarn zugesprochen bekommen.
Belgien wollte in Zukunft gegen weitere Überfälle und Ausplünderungen geschützt sein. Es wandte sich dafür Frankreich, Großbritannien und den USA zu.
Die USA waren weniger an Gebietsabtretungen Deutschlands und Reparationen interessiert. Sie wollten eine stabile europäische und internationale Friedensordnung aufbauen.

Zusammenfassung

Themen der Versailler Friedensverhandlungen

  • territoriale Neugestaltung Deutschlands 
  • Umgang mit den deutschen Kolonien 
  • Begrenzung der deutschen Armee und Rüstung 
  • Art und Höhe der deutschen Reparationszahlungen 
  • Stellung Deutschlands in der internationalen Politik 
  • Zuweisung der Kriegsschuld
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3. Der Vertrag von Versailles mit Deutschland – Neuordnungen, Reparationen, Strafen

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Die Ergebnisse des Versailler Vertrags
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Stand: 16.07.2014
IDL

Der Versailler Vertrag vom Juni 1919 mit Deutschland traf Regelungen in mehreren Bereichen: Militär, Rüstung, Gebietsabtretungen, Einrichtung besonderer Zonen und Reparationen. Die deutschen Streitkräfte wurden auf 100.000 Soldaten reduziert und die Wehrpflicht abgeschafft. Schwere Waffen mussten abgegeben werden, darunter auch die deutsche Kriegsflotte. Das Rheinland wurde zu einer entmilitarisierten Zone erklärt. Deutschland wurde verpflichtet, Wiedergutmachungsleistungen zu erbringen. Deren Umfang sollte später genauer festgelegt werden. Die Gebietsverluste Deutschlands waren erheblich, wobei einige Teile sofort abgetreten werden mussten. Dazu zählte etwa Elsaß-Lothringen, dass Deutschland im Krieg von 1870/71 von Frankreich abgetrennt hatte. In weiteren Gebieten wurden Volksabstimmungen vorgesehen, die über eine Abtrennung der Gebiete vom Deutschen Reich entscheiden sollten.
Der Artikel 231 des Vertrags legte fest, dass das Deutsche Reich am Ausbruch des Krieges schuld war. Mit dieser Festlegung wurde auch die Verpflichtung Deutschlands begründet, Wiedergutmachungsleistungen (Reparationen) zu erbringen. 

Quelle 1

Versailler Vertrag (Auszug)

Artikel 231
Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.

Artikel 235
Um den alliierten und assoziierten Mächten schon jetzt die Wiederaufrichtung ihres gewerblichen und wirtschaftlichen Lebens zu ermöglichen, bevor der endgültige Betrag ihrer Ansprüche festgesetzt ist, zahlt Deutschland […] während der Jahre 1919, 1920 und der ersten vier Monate von 1921 in so viel Raten und in solcher Form (in Gold, Waren, Schiffen, Wertpapieren oder anderswie), wie es der Wiedergutmachungsausschuß festsetzt, den Gegenwert von 20 000 000 000 (zwanzig Milliarden) Mark Gold […].

 

alliierten und assoziierten Regierungen: Siegerstaaten

Reichsgesetzblatt 1919, Nr. 139, S. 985f.

Zusammenfassung: Regelungen des Versailler Vertrags

territoriale Regelungen
  • Beispiele für sofortige Abtretungen:
    Elsaß-Lothringen, Westpreußen (ohne Danzig), Provinz Posen, Gebiete Niederschlesiens, Hultschiner Ländchen, Teile der Kolonien
  • Beispiele für Gebiete, die nach Abstimmungen eventuell abgetreten werden sollten:
    Nordschleswig (nach Abstimmung an Dänemark), Eupen-Malmedy (nach Abstimmung an Belgien), Teile Oberschlesiens (nach Abstimmung und polnischen Aufständen teilweise an Polen), Saarland (nach Abstimmung bei Deutschland geblieben), Südschleswig (bei Deutschland geblieben)
  • dem Völkerbund unterstellte Gebiete:
    Memelland, Danzig, Teile der Kolonien
wirtschaftliche Regelungen
  • Wiedergutmachungsleistungen (Reparationen): erste Rate 20 Mrd. Goldmark, bis 1921 zu zahlen
  • Verkleinerung der deutschen Handelsflotte
  • große deutsche Flüsse (Elbe, Donau, Oder usw.) wurden international
  • Gewährung von Handelsvorteilen für die Siegerstaaten
militärische Regelungen
  • Berufsarmee von 100.000 Soldaten, darunter 4.000 Offiziere
  • keine Wehrpflicht
  • Entmilitarisierung des Rheinlands
  • keine schweren Waffen (Panzer, U-Boote, Schlachtschiffe) und begrenzte Munitionsvorräte
  • keine Luftwaffe
  • kein Festungsbau
  • keine chemischen Kampfstoffe
Völkerbund
  • Gründung des Völkerbundes (internationale Organisation der Staaten zur Bewahrung des Friedens), Deutschland war bis 1926 nicht Mitglied
Zusammenfassung: Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

Darstellung 2

Volksbefragung in den Kreisen Eupen und Malmedy über den Verbleib bei Deutschland. Frei und geheim?

  • Die Bürger in Eupen und Malmedy mussten sich vor der Abstimmung in öffentliche Listen eintragen, in denen jeder die Namen lesen konnte. Die Abstimmung war somit nicht geheim.
  • Der belgische Staat war als Ausrichter der Befragung nicht neutral. Belgien wollte die Gebiete haben und setzte alles daran, dass die Abstimmung für Belgien ausgehen würde.
  • Die belgischen Behörden drohten den Bürgern, die sich für Deutschland entscheiden wollten, u.a. damit, die Lebensmittelversorgung zu kürzen.
  • Belgien und Deutschland beeinflussten die Bevölkerung massiv (Gerüchte, Propaganda, Bestechung u.a.).
Carlo Lejeune, Autonome Hochschule der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens Eupen

Aufgabe 2

  1. Gib den Inhalt der beiden Artikel des Versailler Vertrags in jeweils einem Satz wieder. 
  2. Vermute, welche Einstellungen die Bewohner Eupen-Malmedys nach der 'Volksbefragung' gegenüber ihrem neuen Vaterland Belgien hatten.

Quelle 2

Zeitgenössische Meinungen über den Vertrag von Versailles

Welche Hand müsste nicht verdorren, die sich und uns in solche Fesseln legte? Der Vertrag ist unerträglich und unerfüllbar.
Philipp Scheidemann (SPD), deutscher Reichsministerpräsident 1919

Wir sind fern davon, jede Verantwortung dafür, dass es zu diesem Weltkriege kam, und dass er so geführt wurde, von Deutschland abzuwälzen. [...] Keiner von uns wird behaupten wollen, dass das Unheil seinen Lauf erst in dem verhängnisvollen Augenblick begann, als der Thronfolger Österreich-Ungarns den Mörderhänden zum Opfer fiel. In den letzten 50 Jahren hat der Imperialismus aller europäischen Staaten die internationale Lage chronisch vergiftet.
Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau, 1918/19 deutscher Außenminister

Nur, wenn wir das Reich leidlich intakt erhalten, ist eine Wiedergeburt Deutschlands möglich. Wilhelm Groener, Chef der Obersten Heeresleitung zur Frage, ob Deutschland den Versailler Vertrag unterschreiben sollte

Ungerechtigkeit und Anmaßung, in der Stunde des Triumphs zur Schau getragen, werden niemals vergessen und vergeben werden.
Lloyd George, britischer Premierminister

Das ist kein Friede. Das ist ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.
Marshall Foch (1919), Offizier der französischen Armee und Befehlshaber der Alliierten im Ersten Weltkrieg

Wir haben einen Friedensvertrag, aber er wird keinen dauernden Frieden bringen, weil er auf dem Treibsand des Eigennutzes gegründet ist.
Robert Lansing, US-Außenminister

In der Reihenfolge der Texte zitiert nach:
Axel Kellmann, Anton Erkelenz. Ein Sozialliberaler im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Berlin 2007, S. 97.
Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau, Dokumente und Gedanken um Versailles, 3. Auflage Berlin 1925, S. 113f.
Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik. Das Kabinett Scheidemann. Boppard 1971, S. 481.
Klaus Schwabe (Hg.), Quellen zum Friedensschluß von Versailles. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997, S. 156.
Paul Reynaud, Memoires, Bd. 2: Envers et contre tous, Paris 1963, S. 457.
Wolfgang Lautemann und Manfred Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen, Bd. 5: Weltkriege und Revolutionen 1914-1945, München 1961, S. 129.

Aufgabe 3

  1. Bereite einen Schülervortag zum Versailler Vertrag und seinen Folgen vor.
    Nutze dafür alle Informationen dieses Kapitels.
  2. Erarbeite dir eine eigene Bewertung des Versailler Vertrags. Ziehe dabei auch die Kapitel 34.1 und 34.2 heran.

4. Vertiefung: Der Völkerbund – Frieden zwischen den Staaten sichern

Auf Grundlage der Ideen des US-Präsidenten Wilson wurde im Jahr 1919 der Völkerbund gegründet. Er war eine internationale Organisation, die ihren Sitz in Genf hatte. Ihre Aufgabe war, Konflikte zwischen den Staaten in Zukunft auf friedlichem Weg, z.B. durch Verhandlungen, zu lösen. Zu Beginn waren 32 am Krieg beteiligte Staaten aber auch 13 neutrale Länder Mitglied des Völkerbundes. Bis zum Jahr 1937 traten weitere 21 Staaten dem Völkerbund bei.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:LN_member_states_animation.gif
Entwicklung des Völkerbunds bis zum Jahr 1945:
Dunkelblau: Mitglieder; hellblau: Kolonien der Mitglieder; orange: vom Völkerbund verwaltete Gebiete; grau: Nicht-Mitglieder
Maps & Lucy
LN_member_states_animation.gif
Stand: 24.01.2014
CC 3.0 BY-SA

Quelle 3

Satzung des Völkerbundes (Auszug)

Teil I.
Völkerbundssatzung.

In der Erwägung, daß es zur Förderung der Zusammenarbeit unter den Nationen und zur Gewährleistung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit wesentlich ist,

bestimmte Verpflichtungen zu übernehmen, nicht zum Kriege zu schreiten;
in aller Öffentlichkeit auf Gerechtigkeit und Ehre gegründete internationale Beziehungen zu unterhalten;

die Vorschriften des internationalen Rechtes, die fürderhin als Richtschnur für das tatsächliche Verhalten der Regierungen anerkannt sind, genau zu beobachten,
 
die Gerechtigkeit herrschen zu lassen und alle Vertragsverpflichtungen in den gegenseitigen Beziehungen der organisierten Völker peinlich zu achten,
 
nehmen die Hohen vertragschließenden Teile die gegenwärtige Satzung, die den Völkerbund errichtet, an.

Der Völkerbund konnte durchaus Erfolge vorweisen. Er vermittelte mehrfach erfolgreich bei Grenzkonflikten, zum Beispiel in den Konflikten zwischen Finnland und Schweden im Jahr 1921 und im Grenzkonflikt zwischen Griechenland und Bulgarien im Jahr 1925.
Die USA wurden jedoch nicht Mitglied des Völkerbunds, weil das amerikanische Parlament zu viel Angst vor internationalen Verpflichtungen hatte. Das schwächte den Völkerbund von Anfang an. Da alle Mitglieder des Völkerbunds vor allem ihre eigenen Interessen im Blick hatten, konnte der Völkerbund auch nicht immer wirksam handeln.

Quelle 4

Frieden zwischen den Staaten organisieren: Grundlagen und Einrichtungen des Völkerbunds

Art. 10
Die Bundesmitglieder verpflichten sich, die Unversehrtheit des Gebiets und die bestehende politische Unabhängigkeit aller Bundesmitglieder zu achten und gegen jeden äußeren Angriff zu wahren. […]

Art. 11
Ausdrücklich wird hiermit festgestellt, daß jeder Krieg und jede Bedrohung mit Krieg […] eine Angelegenheit des ganzen Bundes ist, und daß dieser die zum wirksamen Schutz des Völkerfriedens geeigneten Maßnahmen zu ergreifen hat. [...]

Art. 12
Alle Bundesmitglieder kommen überein, eine etwa zwischen ihnen entstehende Streitfrage, die zu einem Bruche führen könnte, entweder der Schiedsgerichtsbarkeit oder der Prüfung durch den Rat zu unterbreiten. [...]

Unversehrtheit: Unbeschädigtheit, keine Beeinträchtigung
Schiedsgerichtsbarkeit: Alle Streitfragen zwischen Staaten sollten von einem internationalen Gericht geklärt werden.

Reichsgesetzblatt 1919, S. 701f.

Aufgabe 4

Viele Historiker sehen die Gründung des Völkerbunds als großen Fortschritt in den internationalen Beziehungen an.
Suche in den Quellen 3 und 4 nach Gründen für diese Ansicht.