34.7 Wie endet ein Weltkrieg?

Wer schafft es bis zur Ziellinie?

Wer schafft es bis zur Ziellinie?

1918 endete der Erste Weltkrieg. Doch wie muss man sich das Ende eines Weltkriegs vorstellen? Muss dazu einer der Gegner wirklich besiegt werden? Und treffen sich dann die Staatsoberhäupter und Generäle, um gemeinsam das Ende der Kämpfe zu beschließen?
Mit diesem Kapitel möchte ich zeigen, dass es viele Beendigungen des grausamen Schlachtens gab – an vielen Fronten und zwischen vielen Staaten.
Diese Kriegsenden sind auch ganz unterschiedlich wahrgenommen worden. Die Geschichten über diese Kriegsenden unterscheiden sich daher sehr stark. Der Krieg hatte nicht ein Ende, sondern viele Enden. Was bedeutete das für die Zeit nach dem Krieg?

1. Die Mittelmächte sind ausgeblutet: Wirtschaftskraft und Rohstoffmengen entscheiden

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kohlrübenkarte_stadt_erfurt_1917.png
Galerie: Hunger in Deutschland während der letzten Kriegsjahre
Stadt Erfurt
Kohlrübenkarte stadt erfurt 1917.png
Stand: 23.01.2014
PD

Die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn waren den Mächten der Entente im Ersten Weltkrieg wirtschaftlich von Anfang an unterlegen. Sie hatten weniger Soldaten, Waffen und Munition als ihre Gegner. Durch die britische Seeblockade konnten nach Beginn des Krieges auch kaum noch Lebensmittel und Rohstoffe für die Industrieproduktion eingeführt werden. Das führte dazu, dass in Deutschland zum Beispiel Brot, Kartoffeln, Fett und Zucker sehr schnell zu Mangelwaren wurden. Hunger brach aus. 1916 wurde die Versorgungslage für die Bevölkerung dramatisch schlechter. Viele Waren konnten in den normalen Geschäften nicht mehr gekauft werden. Sie wurden zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Lebensnotwendige Produkte wurden sehr schnell sehr viel teurer. Viele Menschen litten unter Krankheiten. Etwa 800.000 Menschen starben während des Ersten Weltkriegs in Deutschland an Hunger, Mangelernährung und Seuchen.

2. Kriegsende durch völlige Erschöpfung

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-18594-0045,_Berlin,_Novemberrevolution.jpg
Galerie: Demonstrationen, Streiks, Revolution
unbekannt, Bundesarchiv, Bild 183-18594-0045
Novemberrevolution, Berlin
Stand: 23.01.2014
CC 3.0 BY-SA

1918 waren die Menschen in Deutschland und Österreich-Ungarn ausgehungert und kriegsmüde. Sie hatten großes Leid ertragen müssen und forderten ein schnelles Ende des Krieges. An den Fronten war es nicht anders. Millionen Soldaten waren umgekommen. Die noch lebenden Soldaten wollten nicht mehr kämpfen.
In den deutschen und österreichischen Rüstungsbetrieben kam es immer öfter zu Protesten und Arbeitsniederlegungen: Schwere Arbeit und Hunger, das wollten die Menschen nicht mehr hinnehmen. Die Millionen gestorbener Soldaten fehlten in den Familien als Väter und Söhne.
Im Herbst 1918 stand die Niederlage der Mittelmächte unmittelbar bevor. Auch ihre Verbündeten waren erschöpft. Es setzte eine Welle von Waffenstillstandsvereinbarungen ein. Als die Niederlage öffentlich wahrgenommen wurde, folgten im Herbst 1918 in vielen europäischen Ländern politische Umstürze. In Deutschland brach eine Revolution aus, in deren Folge die Monarchie zusammenbrach. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. musste ins niederländische Exil fliehen. Arbeiter und Soldaten übernahmen in vielen Städten und Betrieben die Macht. Unter Führung der SPD wurde eine Übergangsregierung gebildet. In wenigen Tagen wandelte sich das Kaiserreich zur Republik.

Quelle 1

Bericht über deutsche Soldaten, die nicht mehr kämpfen wollen (1918)

Unsere Stellung beim 1. Inf. Regt. war ungefähr 60-80 m von der französischen entfernt. [...] Durch den immerwährenden Regen konnten wir uns in den Gräben nicht mehr aufhalten, wir waren gezwungen, aus den Gräben heraus zu gehen. An ein Schießen war nicht zu denken, denn die Gewehre waren vollständig mit Schmutz überstrichen, daß das Schloß nicht mehr geöffnet werden konnte. So war auch jeder Posten vom Kopf bis zu den Füßen so stark beschmutzt mit klebrigem Schlamm, natürlich auch ständig durchnäßt die ganze Stellungsperiode, daß oft einer seinen besten Kameraden nicht mehr kannte. Gottlob erging es den Franzosen genau so wie uns. Des öfteren hörten wir von 'drüben' eine Stimme und ein Kopf zeigte sich: 'Kamerad, nix mehr bumm bumm!' Selbstverständlich waren wir damit einverstanden. Wenn man sich auch freier aus der Deckung gab, blieb das Verhältnis mit dem Feind aber trotzdem noch sehr gespannt. Ich erlebte z.B., daß, als einmal ein Kamerad und ich bei hellem Tag Sprengmaterial in den ersten Graben trugen und hierbei außerhalb des Laufgrabens gingen, ein franz. Posten den Kameraden an meiner Seite niederschoß. Als darob Worte der Entrüstung zu den Franzosen hinüberflogen, entschuldigte sich einer der Franzosen, der Schütze sei ein junger gewesen, das werde nicht mehr vorkommen. Die sprachliche Verständigung war dadurch ermöglicht, daß einige von uns französisch parlierten und einige Franzosen deutsch radebrechen konnten.

Inf. Regt.: Infanterie-Regiment. Infanterie bezeichnet die Soldaten, die am Boden kämpfen. Ein Regiment ist eine militärische Einheit, die wiederum aus kleineren Einheiten besteht, z. B. aus Bataillonen und Kompanien.

Bernd Ulrich und Benjamin Ziemann (Hg.), Frontalltag im Ersten Weltkrieg. Ein Historisches Lesebuch, Essen 2008, S. 143.

Quelle 2

General Erich Ludendorff über den Umgang mit der deutschen Niederlage

Ich habe aber Seine Majestät gebeten, jetzt auch diejenigen Kreise an die Regierung zu bringen, denen wir es in der Hauptsache zu verdanken haben, dass wir so weit gekommen sind. [...] Die sollen nun den Frieden schließen, der jetzt geschlossen werden muss. Sie sollen die Suppe jetzt essen, die sie uns eingebrockt haben.

Hinweis:
Erich Ludendorff (1865-1937) war Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Paul von Hindenburgs als Chef der deutschen Obersten Heeresleitung. Er hatte seit 1916 eine gewaltige Macht über Wirtschaft und Gesellschaft im Deutschen Reich, weil er für Rüstung und Versorgung der gesamten Armee zuständig war.

Reinhard Sturm, Vom Kaiserreich zur Republik 1918/19, in: Informationen zur politischen Bildung. Weimarer Republik 261, 2011, http://www.bpb.de/izpb/55949/vom-kaiserreich-zur-republik-1918-19?p=all [18.6.2016]).


Stand: 08.02.2014
PD

Der SPD Reichstagsabgeordnete Philipp Scheidemann rief am 9. November 1918 in Deutschland die Republik aus. Hinweis: Tonaufnahmen konnten 1918 noch nicht live aufgezeichnet werden. Darum hat Scheidemann nachträglich die Rede noch einmal gesprochen.

Aufgabe 1

  1. Gib die Beschreibung Scheidemanns zum Ende der Monarchie mit eigenen Worten wieder.
  2. Nenne die Forderungen, die Scheidemann an die Arbeiter richtet.
  3. Scheidemann spricht nicht von einer Revolution. Vermute die Absichten, die er damit verfolgt haben könnte.

3. Militärische Entscheidung und Kriegsende an den Fronten

Die USA traten 1917 auf der Seite der Entente-Mächte in den Krieg ein. Ein großer Strom an Soldaten, Waffen und Versorgungsgütern floss dadurch an die europäischen Fronten. Die Mittelmächte waren nicht in der Lage, dieser Übermacht lange standzuhalten. Auf dem Bild siehst du Frauen in einer Munitionsfabrik im Jahr 1918.

Am 6. April 1917 traten die USA auf der Seite der Entente-Mächte in den Ersten Weltkrieg ein. Der Präsident der USA, Woodrow Wilson (1856-1924), erklärte dazu seinen Mitbürgern: 
"Es ist schrecklich, dieses große friedliebende Volk in einen Krieg zu führen. Doch Recht ist kostbarer als Frieden."
Großbritannien, Frankreich und Italien erhielten nun an ihren Fronten massive Unterstützung durch  Truppen, die bestens ausgerüstet und versorgt waren. Während die Entente-Mächte durch den Kriegseintritt der USA stärker wurden, nahmen die Reserven der Mittelmächte immer mehr ab. Der amerikanische Kriegseintritt führte dazu, dass auch die neutralen europäischen Staaten den Handel mit den Mittelmächten weitgehend einstellten. Dies vergrößerte die Überlegenheit der Entente-Mächte an Rüstungsgütern und Soldaten. Das Ende des Krieges rückte näher. Im Herbst 1918 mussten die Mittelmächte ihre Niederlage einsehen und die Kampfhandlungen beenden.

Darstellung 1

Der Kriegs­ein­tritt der USA in einem Dokumentarfilm

Unter den Stichworten 'Der Krieg der Medien - Kriegseintritt der USA' findest du bei YouTube einen Film, der die Vorbereitungen der US-Armee auf den Krieg zeigt.

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

4. Waffenstillstände an den Fronten

Galerie: Die Kämpfe im Osten werden beendet.

Waffenstillstand und vorläufiger Friedensvertrag an der Ostfront 
In Russland war im Februar 1917 eine Revolution ausgebrochen (vgl. Kap. 35.2). Russland war schon zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich völlig erschöpft. Eine Reihe von Niederlagen hatte auch die Armee stark demoralisiert. Hinzu kam eine starke Geldentwertung. Diese führte zu mangelhafter Versorgung und schließlich zum Zusammenbruch der Wirtschaft. Arbeiter und Bauern demonstrierten. Streiks brachen aus. Soldaten meuterten. Schließlich wurde die Herrschaft des Zaren gestürzt. Eine bürgerliche Regierung übernahm für kurze Zeit die Macht. Die für eine kommunistische Gesellschaft kämpfenden Bolschewiki verjagten diese Regierung im Oktober 1917, weil sie den Krieg nicht beendete und das Leiden weiterging. Als die Bolschewiki an der Regierung waren, vereinbarten sie einen schnellen Frieden mit den Mittelmächten. Dieser Frieden wurde in Brest-Litowsk im Frühjahr 1918 unterzeichnet. Russland nahm große Gebietsverluste und weitere unvorteilhafte Regelungen in Kauf, um aus dem Krieg ausscheiden zu können.

Waffenstillstand an der Westfront
An der Ostfront konnten sich die Mittelmächte nach dem Friedensschluss von Brest-Litowsk als Sieger fühlen. Die deutsche Niederlage an der Westfront war nach dem Scheitern der letzten Offensive im Jahr 1918 aber nicht mehr abzuwenden. Die deutschen Stellungen wurden seit dem Sommer 1918 zunehmend zurückgedrängt. Nachdem die Oberste Heeresleitung den Krieg verloren gegeben hatte, floh Kaiser Wilhelm II. aus seinem belgischen Hauptquartier ins niederländische Exil. In Berlin brach unterdessen eine Revolution aus und die Herrschaft des Kaisers wurde gestürzt.
Am 11. November 1918 wurde unweit der Frontlinie zwischen Vertretern der Entente-Mächte und Deutschlands ein Waffenstillstand unterzeichnet.

Waffenstillstand an der Südfront
Im Herbst 1918 mussten österreichisch-ungarische Truppen im Nordosten Italiens zu einer Schlacht gegen italienische Truppen antreten. In der Schlacht von Vittorio Veneto wurden sie von den italienischen Einheiten weit zurückgeworfen. Durch diesen Erfolg der Italiener und ihrer Verbündeten begannen die österreichisch-ungarischen Truppen sich aufzulösen. Sie waren derart demoralisiert und unterversorgt, dass sie auf breiter Front zu meutern drohten. Die österreichische Heeresleitung musste daher in einen schnellen Waffenstillstand einwilligen. Am 3. November 1918 wurden durch die Waffenstillstandsvereinbarung von Villa Giusti die Kampfhandlungen an der sogenannten Südfront beendet.

Waffenstillstand in den Kolonien (Beispiel Deutsch-Ostafrika)
In Afrika hatten deutsche Soldaten seit Beginn des Weltkriegs gegen eine Übermacht britischer Truppen und ihrer Verbündeten kämpfen müssen. Die Kontrolle über ihre Kolonien ging den Deutschen schnell verloren. Von Nachschub abgeschnitten, kämpften sie wie Guerillas: Sie legten Sprengsätze und überfielen Nachschublieferungen der Briten. 
Vom Waffenstillstand an den europäischen Fronten erfuhren sie erst verzögert. Erst am 13. November wurde der Kommandeur der deutschen Truppen in der Kolonie Deutsch-Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964), vom Waffenstillstand informiert. Das geschah rein zufällig: Seine Kämpfer hatten einen britischen Nachrichtensoldaten gefangen genommen, der die Waffenstillstandsmeldung den eigenen Truppen überbringen wollte. Es dauerte weitere Tage, bis alle Militäreinheiten informiert waren. Erst am 25. November 1918 stellte Lettow-Vorbeck die Kämpfe endgültig ein.

Aufgabe 2

  1. Arbeite aus den Autorentexten die Gründe für die Einstellung der Kampfhandlungen an den einzelnen Fronten heraus. 
  2. In diesem Kapitel haben die Autoren sehr ausführliche Datumsangaben gemacht, obwohl sie das normalerweise nicht tun. Vermute Gründe für dieses Vorgehen. 
Erkundung 1: Europäische Länder nach dem Ersten Weltkrieg
Alphathon, bearbeitet durch Tobias Arendt
Blank map of Europe 1929-1938.svg
Stand: 26.07.2016
CC 3.0 BY-SA

Das deutsche Kaiserreich war ein Verlierer des Krieges. In einer Revolution wurde der Kaiser gestürzt. Deutschland wurde eine Republik

Frankreich war ein Hauptsieger des Krieges. Es gewann das 1870/71 verlorene Elsaß-Lothringen zurück und konnte den alten Konkurrenten Deutschland erheblich schwächen.

Großbritannien wahr ebenfalls Sieger. Es suchte nach dem Krieg einen Ausgleich zwischen Siegern und Verlierern. Es wollte seine Kolonialpolitik ungestört von europäischen Konflikten weiterführen.

Das Kaiserreich Österreich-Ungarn löste sich auf. Der Kaiser dankte ab. Hierdurch konnte der Traum vieler südosteuropäischer Völker nach Eigenstaatlichkeit erfüllt werden. Die Hoffnungen ihrer Bürger auf Sicherheit, Arbeitsmöglichkeiten, soziale Versorgung und kulturelle Rechte wurden jedoch oftmals nicht erfüllt.

Der russische Zar wurde 1917 durch eine Revolution gestürzt. Nachdem die Bolschewiki die Macht übernommen hatten, begannen sie, den ersten kommunistischen Staat der Welt aufzubauen.

Belgien sah sich als Opfer und zugleich als Sieger des Krieges. Es hoffte auf Kriegsentschädigungen und Schutz durch die Siegermächte.

Quelle 3

Frie­dens­ver­trag von Brest-Li­towsk (3. März 1918)

Art. 1.
Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei einerseits und Rußland andererseits erklären, daß der Kriegszustand zwischen ihnen beendet ist. Sie sind entschlossen, fortan in Frieden und Freundschaft miteinander zu leben. [...] Art. 3.
Die Gebiete, die westlich der zwischen den vertragschließenden Teilen vereinbarten Linie liegen und zu Rußland gehört haben, werden der russischen Staatshoheit nicht mehr unterstehen; die vereinbarte Linie ergibt sich aus der diesem Friedensvertrag als wesentlicher Bestandteil beigefügten Karte [...].

Art. 5.
Rußland wird die völlige Demobilmachung seines Heeres einschließlich der von der jetzigen Regierung neugebildeten Heeresteile unverzüglich durchführen. Ferner wird Rußland seine Kriegsschiffe entweder in russische Häfen überführen und dort bis zum allgemeinen Friedensschluß belassen oder sofort desarmieren. [...]

Art. 9.
Die vertragschließenden Teile verzichten gegenseitig auf den Ersatz ihrer Kriegskosten, d.h. der staatlichen Aufwendungen für die Kriegführung sowie auf den Ersatz der Kriegsschäden, d.h. derjenigen Schäden, die ihnen und ihren Angehörigen in den Kriegsgebieten durch militärische Maßnahmen mit Einschluß aller in Feindesland vorgenommenen Requisitionen entstanden sind.

desarmieren: entwaffnen
Requisitionen: Beschlagnahmung von Gütern für das Militär

www.dhm.de/lemo/html/dokumente/brest/ [17.07.2013]

Quelle 4

Waf­fen­still­stands­ab­kom­men an der West­front (11. No­vem­ber 1918)

I. Einstellung der Feindseligkeiten zu Land und in der Luft, 6 Stunden nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes.

II. Sofortige Räumung der besetzten Gebiete: Belgien, Frankreich, Luxemburg sowie von Elsaß-Lothringen. Sie ist so zu regeln, daß sie in einem Zeitraum von 15 Tagen nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes durchgeführt ist. [...]

III. Alle Einwohner der oben aufgezählten Länder (einschließlich der Geiseln, der in Anklagezustand Befindlichen oder Verurteilten) werden in ihre Heimat zurückgeführt. Diese Rückführung beginnt sofort und muß in einem Zeitraum von 15 Tagen beendet sein.

IV. Die deutschen Heere überlassen in gutem Zustand folgendes Kriegsmaterial: 5000 Kanonen (davon 2500 schwere und 2500 Feldgeschütze), 25000 Maschinengewehre, 3000 Minenwerfer, 1700 Jagd- und Bombenabwurfflugzeuge [...].

V. Räumung der linksrheinischen Gebiete durch die deutschen Armeen. Die Gebiete auf dem linken Rheinufer werden durch die örtlichen Behörden unter Aufsicht der Besatzungstruppen der Alliierten und der Vereinigten Staaten verwaltet. […]

VI. [...] Keinerlei Zerstörungen irgendwelcher Art dürfen ausgeführt werden. Militärische Einrichtungen jeder Art werden in unversehrtem Zustande ausgeliefert, ebenso alle militärischen Vorräte, Lebensmittel, Munition, Ausrüstungsstücke, die nicht in dem für die Räumung festgesetzten Zeitraum mitgeführt werden konnten. Die Depots von Lebensmitteln jeder Art für die Zivilbevölkerung, Vieh usw. müssen an Ort und Stelle belassen werden. [...]

VII. [...] Den assoziierten Mächten sind auszuliefern: 5000 gebrauchsfertige Lokomotiven und 150000 Eisenbahnwagen in gutem Zustand sowie mit allen Ersatzteilen und dem nötigen Gebrauchsgerät ausgestattet. […]

www.dhm.de/lemo/html/dokumente/waffenstillstand/index.html [17.07.2013]

Quelle 5

Wie er­leb­ten die Men­schen das Kriegs­en­de? Ein Be­richt aus dem Rhein­land

Zu größeren Unruhen kam es nicht, doch mußte eine Bürgerwehr gebildet werden, um die öffentliche Sicherheit zu schützen. Unser Dorf lag nicht an der eigentlichen Rückzugstraße unseres zurückflutenden Heeres, doch es gab einer Abteilung münsterscher Cürassiere einige Tage Quartier. [...] Der Führer, ein im Dienst ergrauter Rittmeister aus Crefeld, erzählte mir von der großen Schwierigkeit, seine ihm anvertrauten Leute in Ordnung zurückzuführen, was doch seine heiligste Pflicht war. Auch diese hatten ihren Soldatenrat, der jedoch meist keinen Rat wußte. Immer wieder würden bald hier, bald dort von den Soldaten Sachen veruntreut, und manches Ausrüstungsstück und mitgeschleppte Ware verkauft. Man sah es auch dieser Abteilung an, daß jede Disziplin fehlte, aber die roten Fahnen und die roten Bänder im Knopfloch fehlten nicht. Nach einigen Tagen verließ uns diese Truppe. [...] Nun harrte das Dorf der fremden Besatzung, die bestimmungsgemäß aus britischen Truppen bestehen sollte. Es kam Gardekavallerie. In den frühen Morgenstunden eines trüben Dezembertages erschien eine kleine Abteilung in Stahlhelmen, besetzte das Rathaus, traf Anordnung für die Unterbringung der Truppen und gab Befehle für das Verhalten der Bevölkerung, die erst sehr streng waren, aber bald gemildert wurden. Nach einigen Tagen kam die eigentliche Besetzung. 

Heinz Pankalla (Hg.), Der erste Weltkrieg. Berichte aus Dormagener Schulchroniken, Köln, 1980, S. 50 ff.

6. Vertiefung: die Sicht von Schulbüchern auf das Ende des Ersten Weltkriegs

Schulbücher befassten sich ebenso wie Filme, Zeitschriften und Bücher mit dem Ersten Weltkrieg. Sie bewerteten das Kriegsende sehr unterschiedlich. Woran könnte es liegen, dass die Bewertungen so weit auseinander gingen?

Quelle 6

'Deut­sche Ge­schich­te fürs deut­sche Volk' (1929)

Und nun ging’s zum Abschluss des Waffenstilstands, den die deutschen Unterhändler im Walde von Compiègne mit Marschall Foch abschlossen. Während sie unterwegs waren, brach in Deutschland die Revolution aus. So standen sie vollends wehrlos dem Feinde gegenüber; dieser konnte seine Forderungen so hoch schrauben als er wollte. Sie waren auch barbarisch hart.

Otto Schnizer, Deutsche Geschichte fürs deutsche Volk, Stuttgart 1929, S. 463.

Quelle 7

'Ge­schichts­buch für die deut­sche Ju­gend' (1943)

Am 7. November [1918] wird in München, am 9. in Berlin die Republik ausgerufen. Ohne auch nur Widerstand zu versuchen, treten die deutschen Fürsten ab. Der oberste Kriegsherr, der letzte Kaiser aus dem großen Geschlecht der Hohenzollern, verlässt flüchtend die Soldaten. An seine Stelle treten Marxisten. Sie lassen den Umsturz weiter um sich greifen. Munition und Verpflegung kommen nicht mehr an die Front. Nun erst muss sich Hindenburg den wahnwitzigen Bedingungen des Waffenstillstandes fügen. [...] Das deutsche Volk ist wehrlos! Jetzt können Haß und Vernichtungswille mit uns machen, was sie wollen.

B. Kumsteller, U. Haacke, B. Schneider, Geschichtsbuch für die deutsche Jugend, Volksschulausgabe, Klasse 6-8, Leipzig, 1943, S. 198-199

Quelle 8

Ge­schichts­lehr­buch der DDR (1984)

Das deutsche Heer war erschöpft, kriegsmüde und begann sich zu zersetzen. Am 29. September [1918] musste die Oberste Heeresleitung erklären, dass der Krieg verloren sei und die verzweifelte Lage des Heeres sofortigen Waffenstillstand erfordere. Damit endete nach mehr als vierjährigem Völkermorden der Versuch des deutschen Imperialismus, Europa zu beherrschen und die Welt zu seinen Gunsten neu aufzuteilen, mit einer militärischen Niederlage.

Wolfgang Bleyer u.a., Geschichte, Lehrbuch für die Klasse 9, Berlin, 1984, S. 42.

Aufgabe 3

  1. Markiere in den Quellen 6-8 diejenigen Passagen, die Deutungen des Waffenstillstands enthalten.
  2. Ordne die Schulbuchauszüge in ihren zeitlichen Kontext ein.
    Achte dabei auf das politische System und die Ideologie der Zeit.
  3. Fasse die Sicht der Autoren auf das Ende des Ersten Weltkrieg mit einem treffenden Begriff zusammen. 
  4. Bewerte die Deutungen dieses multimedialen Schulbuchs zum Ersten Weltkrieg. Welche Botschaft wollten wir euch mitgeben?