mBook russlanddeutsche Kulturgeschichte – ein digitales Schulbuch

Zum Geleit für dieses digitale Schulbuch

Warum beschäftigen wir uns mit russlanddeutscher Kulturgeschichte?

Geschichte kann uns helfen unser Leben in der Gegenwart zu leben und es für die Zukunft zu gestalten. Denn Geschichte hilft uns bei der Orientierung. 

Immer wieder stellen wir viele Fragen über unser Leben:

  • Wie haben sie die Verhältnisse und Umstände unseres Lebens entwickelt? 
  • Wer sind wir? 
  • Wie sehen wir uns? 
  • Wie sehen uns andere? 
  • Wo kommen wir her?
  • Und wer oder was hat uns geprägt?
  • Was wollen wir verändern?

Die Beschäftigung mit Vergangenheit und Geschichte hilft uns dabei, diese Fragen zu beantworten. Und das ist historische Orientierung.
Warum wir euch empfehlen, die Geschichte der Russlanddeutschen genauer anzusehen?
Dafür gibt es gute Gründe. Wir – die Autoren dieses digitalen Schulbuchs – nennen euch drei:

  • Hunderttausende russlanddeutsche Spätaussiedler sind seit 1989 nach Deutschland gekommen. Sie leben jeden Tag in diesem Land. Sie arbeiten, gehen zur Schule, studieren, kaufen ein, treffen Freude. Wir sollten uns besser kennenlernen, die hier Geborenen und die zu uns Gekommenen. Dazu sind beide Seiten aufgerufen – also alle, die sich mit den Inhalten dieses Buchs auseinandersetzen.
  • Wie alle Menschen, die in eine bestehende Gesellschaft neu hinzukommen, so bringen auch die Russlanddeutschen eigene Prägungen, Lebensweisen und Ideen mit. Das bereichert unsere Gesellschaft. Man kann viel von Menschen anderer Prägung und Herkunft lernen.
  • Und außerdem ist die Geschichte der Russlanddeutschen hervorragend geeignet, etwas über Unterwegssein und Heimat, über Freiheit und Verfolgung, über Leid und Glück zu erfahren.
    Solche Erfahrungen haben nicht nur die Russlanddeutschen. Daher möchten wir euch anregen, auch andere Gruppen von Hinzugekommenen nach ihren Lebensweisen und Sichtweisen zu fragen, euch mit deren Erfahrungen auseinanderzusetzen. 
https://www.youtube.com/watch?v=UO2KJLe9goQ&feature=youtu.be

Die Autoren stellen sich vor

Geschichte wird von Menschen erzählt. Und jeder Mensch hat eine andere Prägung und andere Absichten – und er erzählt daher eine Geschichte auch in seiner eigenen Weise. Meistens kann man das in Geschichtsbüchern gar nicht so klar erkennen. Und Leser denken dann, es gäbe nur eine Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen.
Uns ist es wichtig, dass ihr unsere Autoren kurz kennenlernt, damit ihr verstehen könnt, was ihre Absichten und Zielen beim Schreiben der Kapitel waren. 

Lukas Kneser

Lukas Kneser

Ich bin Lukas Kneser und ich habe mehrere der Kapitel im mBook zu russlanddeutschen Kulturgeschichte geschrieben. Ich wuchs in den späten 1980er-Jahren in eine Stadtteil auf, in dem sehr viele gerade nach Deutschland gekommene Russlanddeutsche wohnten. Ich ging mit russlanddeutschen Kindern auf die Grundschule, begegnete ihnen beim Einkaufen und auf dem Spielplatz. Irgendwie waren sie ein bisschen anders: Meine russlanddeutschen Klassenkameraden trugen altertümliche Namen, sprachen einen Dialekt, den ich nicht kannte und ihre Omas trugen alle Kopftuch. 'Warum sind die so?', habe ich mich manchmal gefragt.

Später studierte ich dann Ethnologie und Soziologie. Ethnologie beschäftigt sich ständig mit 'Anderssein' und damit, wie man Menschen, die einem fremd sind, verstehen kann. Und Soziologie fragt ganz grundsätzlich: 'Warum sind Menschen überhaupt so, wie sie sind und tun das, was sie tun?'

Als ich dann – über zwanzig Jahre nach meiner Grundschulzeit – an digitalen Schulbüchern und diesem mBook arbeitete, tauchten meine ganzen Kinderfragen wieder auf. Jetzt hatte ich die Möglichkeit, sie zu beantworten. In meinen Kapiteln habe ich genau das versucht. Ich habe dabei viel über russlanddeutsche Geschichte und Kultur gelernt. Und auch einen großen Respekt vor meinen früheren russlanddeutschen Klassenkameraden und ihren Familien gewonnen. Ich hoffe, dass euch das beim Lesen genauso geht.  Und am Ende könntet ihr vielleicht besser verstehen, warum 'die so sind' und warum 'ihr so seid', wie ihr seid.

Marcus Ventzke

PD Dr. Marcus Ventzke

Ich bin Marcus Ventzke. Im diesem digitalen Schulbuch zur russlanddeutschen Kulturgeschichte habe ich vor allem die Kapitel 6, 7 und 8 geschrieben oder mitgeschrieben. Ich bin Historiker. Als Geschichtslehrer habe ich an verschiedenen Schulen gearbeitet. Heute unterrichte ich auch an der Universität. Geboren bin ich im Osten Deutschlands, und ich habe in den Jahren 1989/90 die Friedliche Revolution in der damaligen DDR miterlebt. Als Jugendlicher in der DDR hatte ich einen 'Gorbi-Sticker' auf meiner Jacke, weil ich hoffte, der sowjetische Staatschef Gorbatschow würde auch in der DDR für Reformen sorgen.

Diese Revolution von 1989/90 und ihre Folgen haben mich nicht mehr losgelassen. Ich wusste, dass die DDR und ihre Geschichte immer stark mit Geschichte und Politik der Sowjetunion verbunden waren. Dass es Russlanddeutschen gibt, habe ich erst später erfahren. Die Geschichte der Sowjetunion hat mich dadurch noch viel mehr interessiert.

In diesem mBook wollte ich folglich die Kapitel zur kommunistischen Diktatur in der Sowjetunion, zu ihren Wandlungen in der 1980er Jahren und zu ihrem Ende schreiben. Dabei habe ich mich stets gefragt, wie die Russlanddeutschen diese Änderungen erlebt haben und wie sie mit ihnen umgegangen sind. Deshalb habe ich auch die Interviews mit Russlanddeutschen geführt, die du in vielen Kapiteln finden kannst (siehe zum Beispiel die Kap. 8 und 9). Irgendwie sah ich immer auch ein bisschen mich in den Interviewpartnern, denn nach 1990 hatte auch ich einschneidende Änderungen meines Lebens und viele neue Herausforderungen zu bewältigen. Meine Absicht bei der Bearbeitung der Kapitelthemen war es also, Personen, ihre Lebensumstände und die 'große' Politik zusammen zu betrachten. Ist mir das gelungen?

Florian Sochatzy

Dr. Florian Sochatzy

Mein Name ist Florian Sochatzy. Ich habe ein Unterkapitel im mBook geschrieben. Normalerweise bin ich im Institut für digitales Lernen, das dieses digitale Schulbuch produziert hat, für andere Aufgaben zuständig.

Manchmal finde ich aber ein Thema so spannend, dass ich es selber schreiben will. In diesem mBook war es das Kapitel 3.4 "Heimat geht durch den Magen". Ich bin fest davon überzeugt, dass uns die Essenserfahrungen aus unserer Kindheit und Jugend prägen. Sie sind für uns damit immer auch ein Stück Heimat und Identität. Bei mir ist das jedenfalls so.

Wenn man sich das Essen von Menschen und Gruppen ansieht, kann man viel über ihre Prägungen und Sitten herausfinden. Das wollte ich einmal in diesem Kapitel ausprobieren. Ich hoffe, dass ihr diese Frage auch so spannend findet wie ich. 

Johanna Horst und Benjamin Heinz

Johanna Horst und Benjamin Heinz
Institut fürdigitales Lernen
IDL

Wir sind Benjamin und Johanna und haben uns mit dem Thema Kleidung und Identität beschäftigt. Dabei sind wir ein sehr unterschiedliches Team: Benni mag Mode und Trends und kann sich für Kleidung begeistern. Johanna mag Farben und Stoffe, interessiert sich aber nicht so für Klamotten. Gemeinsam sind wir im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte auf Erkundungstour gegangen. Im Archiv haben wir nach Informationen zum Zusammenhang von Identität und Bekleidung recherchiert. Und wir sind dort auch tatsächlich auf Tuchfühlung mit Kleidungsstücken gegangen. Wie das gekommen ist?

Während unserer Arbeitswoche im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte entdeckte unser Chef ganz begeistert das Archiv für Kleidungsstücke. Wir bekamen die Erlaubnis des Museums, einige Stücke ganz vorsichtig anzufassen und auch anzuprobieren. Und so beschlossen wir, ein Kapitel über Kleidung und Identität zu schreiben. Bei der Anprobe fiel die Wahl auf uns, Benjamin und Johanna. Und so hatten wir unser Thema gefunden: Zusammen haben wir fortan nun voller Begeisterung viele Fragen bearbeitet:

  • Wie hängen Kleidung und Lebensumstände zusammen?
  • Was senden Menschen mit ihrer Kleidung für Botschaften aus?
  • Haben Russlanddeutsche ihre Kleidung selbst hergestellt?
  • Was hat Kleidung mit Heimat zu tun?

Michael Günther

Mein Name ist Michael Günther. Im mbook Russlanddeutsche Kulturgeschichte habe ich die Kapitel 6.1. bis 6.4. geschrieben. Als studierter Historiker habe ich für Museen, Firmen und als selbständiger Projektmitarbeiter z.B. bei digitalen Schulbüchern gearbeitet. Derzeit bin ich in einer Schule tätig.

Ich erinnere mich noch gut an die erste Begegnung mit Wolgadeutschen. Im Osten Deutschlands, wo ich aufwuchs, waren Menschen anderer Nationalitäten eine Seltenheit. Einzig Vietnamesen, Mosambikaner und russische Soldaten habe ich bis zum Teenageralter erleben können. Plötzlich vernahm ich einen 'seltsamen' Akzent. Man erklärte mir, die ersten Wolgadeutschen kämen aus Russland zurück. Sie seien keine Russen, aber auch keine richtigen Deutschen. Das verstand ich damals nicht, wie konnte man weder das eine noch das andere sein?

In meinem Kapitel behandle ich, wie die Russlanddeutschen zu einem heimatlosen und ungewollten Volk werden konnten. Die Suche nach den Gründen für Unterdrückung und Grausamkeiten von 1914 bis 1945 war stets ein wichtiges Motiv. "Warum machen die Russen denn das?", ist die Frage, die sich mir ständig stellte und ich auch für den Leser beantworten haben wollte. Die entstandenen Texte lieferten mir zusammen mit den Quellen die Antworten und machen mich gleichzeitig fassungslos über die schrecklichen Ereignisse. Letztlich waren mir lebendige Geschichten wichtig, die den Lesern das Schicksal der russlanddeutschen Vorfahren empfindsam und einprägsam näher bringen sollen.

Projektpartner des digitales Schulbuchs: mBook – russlanddeutsche Kulturgeschichte

 

Das 'mBook – russlanddeutsche Kulturgeschichte' ist ein digitales Schulbuch des Instituts für digitales Lernen im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte, vor allem Frau Dr. Katharina Neufeld, war hierbei beratend tätig.

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