6. Fremde und Feinde: Die Russlanddeutschen im 20. Jahrhundert

Eine dramatische Entwicklung: die Russlanddeutschen als Feinde. Wie konnte es dazu kommen?

Eine dramatische Entwicklung: die Russlanddeutschen als Feinde. Wie konnte es dazu kommen?

Günther Herrler, Uwe Aranas
Fremde und Feinde: Russlanddeutsche im 20. Jahrhundert
CC 4.0 BY-SA

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war in Europa die Zeit der Kriege und Völkermorde. Und in Russland, später auch in der Sowjetunion, wurde besonders viel gemordet. Aus meiner Sicht sind die Russlanddeutschen mit dem Ersten Weltkrieg in ein Verhängnis geraten, das jahrzehntelang anhielt. Im wahrsten Sinne des Wortes standen sie immer zwischen den Fronten. Und unter der Diktatur Stalins verloren sie dann schließlich auch noch ihre Heimat, weil sie als Verräter galten. 
Viele Menschen und ganze Völker haben im 20. Jahrhundert ein schweres Schicksal erleiden müssen, so zum Beispiel die Millionen Soldaten, die in den Weltkriegen ihr Leben ließen. Völkermorde gab es etwa an den Herero und Nama in Afrika, an den Armeniern und den europäischen Juden. Viele Menschen wurden auch aus ihrer Heimat vertrieben, beispielsweise die Krimtataren, viele Polen und auch viele Deutsche.
Warum sollte man bei so viel Leid und so vielen grausamen Verbrechen das Schicksal der Russlanddeutschen genauer beleuchten?
Ich frage hier nach dem Schicksal der Russlanddeutschen, weil man an ihren Erlebnissen gut zeigen kann, was passiert, wenn
- Diktatoren wie Hitler und Stalin über Menschen entscheiden,
- es keinen Schutz von Menschen- und Bürgerrechten gibt,
- Kriege geführt werden.