6.1 Zwischen den Fronten – Russlanddeutsche im Ersten Weltkrieg

Die Russlanddeutschen im Ersten Weltkrieg: zwischen zwei Heimaten?

Die Russlanddeutschen im Ersten Weltkrieg: zwischen zwei Heimaten?

Wenn das Herkunftsland einer Minderheit zum Feind erklärt wird, muss sich zwangsläufig das Leben der Angehörigen dieser Minderheit ändern. Von der Mehrheit wird der Minderheit dann oft Misstrauen und Ablehnung entgegengebracht. Und nicht selten sind die Angehörigen einer Minderheit Gewaltakten ausgesetzt. Auch die Russlanddeutschen haben das leidvoll erfahren müssen. Im zaristischen Russland wurden sie während des Ersten Weltkriegs als die 'inneren Feinde' beschimpft. Mich interessiert in diesem Kapitel vor allem, wie sich die Russlanddeutschen bei Kriegsausbruch verhielten. War der Vorwurf vieler nationalistischer Russen, dass die Deutschen Verräter und Spione seien, gerechtfertigt? Wie ging der russische Staat mit den Deutschen um? Und welche Zeitumstände begünstigen die Eigenständigkeitsbestrebungen der Wolgadeutschen?

1. Der Krieg bricht aus! Sag mir, wo du stehst!

Galerie: Beginn des Ersten Weltkriegs - Armeen marschieren auf

Die Wolgadeutschen bereiteten gerade die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der ersten deutschen Siedlung in Russland vor, als das Deutsche Kaiserreich Russland im Jahr 1914 den Krieg erklärte. Der Erste Weltkrieg begann.

'Verdammt!', muss sich der eine oder andere gedacht haben. Nicht wegen den geplatzten Feierlichkeiten, sondern weil die Russlanddeutschen damit zwischen die Kriegsfronten gerieten. Auch in Russland gab es eine öffentliche Kriegsbegeisterung. Die Folge waren zahlreiche antideutsche Aktionen. Und viele Russen stellten sich die Frage, auf welche Seite sich die deutschen Mitbürger wohl stellen würden.

Sie hielten Russland und dem Zaren die Treue. Ihre starke Verbindung zur deutschen Tradition hinderte die Russlanddeutschen nicht daran, mit ihren russischen Nachbarn in den Krieg gegen Deutschland und Österreich-Ungarn zu ziehen.

An vielen Orten gab es patriotische Bekundungen der Russlanddeutschen für Russland. Und danach zogen etwa 300.000 Deutsche als Soldaten der Zarenarmee an die Frontlinie, um gegen die Truppen der Mittelmächte zu kämpfen. Die Ernüchterung folgte schnell, denn die russischen Truppen gerieten an der Westfront sehr schnell in eine gefährliche militärische Lage.

Karte: Auf der Karte sieht man die Frontverläufe zwischen Österreich-Ungarn und Russland zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914.
historicair, bearbeitet von Tobias Arendt
Map Europe alliances 1914-en.svg
CC 2.5 BY-SA

Darstellung 1

Wolgadeutsche nach der russischen Kriegserklärung: Treuebekenntnisse zu Russland

Das Gouvernement Saratov im Wolgagebiet erlebte bei Kriegsbeginn aufgewühlte deutsche Siedler. Sie ließen es sich nicht nehmen, Russland und dem Zaren gegenüber ihre Treue zu bekunden. Viele trafen sich spontan auf der Straße und äußerten sich lautstark gegen das Deutsche Kaiserreich.
Ganz erfüllt vom Kriegstaumel und von euphorischer Zarentreue konnte dann solch eine Versammlung auch außer Kontrolle geraten. Das zeigte etwa die versuchte Erstürmung der deutschen Auslandsvertretung in Saratov. Auch die protestantischen Kirchen, denen der Zar Nikolaus II. nicht wirklich wohlgesonnen war, ließen keinen Zweifel daran, auf welcher Seite sie standen. Inbrünstig beteten dort die Gläubigen für einen heldenhaften Sieg der russischen Armee. Und der Gouverneur von Saratov wurde von einer Abordnung Russlanddeutscher energisch dazu aufgefordert, "seiner Majestät die loyalen Gefühle aller deutschen Kolonisten des Gouvernements" zu übermitteln. Solche prorussischen Treuebekenntnisse gab es auch in anderen Gegenden Russlands, in denen deutschstämmige Siedler lebten. 

Gouvernement: Verwaltungsgebiet eines Staates

Michael Günther, Institut für digitales Lernen

Quelle 1

Die Deutschen in Russland sind kein Vorposten des Deutschen Kaiserreichs (1914)

Hinweis: Bei dieser Quelle handelt es sich um einen Zeitungsbericht über eine Aussage des russlanddeutschen Parlamentsabgeordneten Ludwig Lutz. Er spricht über das Verhältnis der Russlanddeutschen zu Deutschland und Russland bei Beginn des Krieges. Die Zeitung gibt seine Aussagen wieder, daher die Formulierungen wie "habe man" oder "sei eingetreten"

In Deutschland habe man augenscheinlich beim 'Drang nach Osten' die deutschen Untertanten Russlands als Vorposten betrachtet. Die Stunde sei eingetreten, wo die deutschen treuen Untertanen [...] die Würde und Ehre des großen Vaterlandes verteidigen und die Beleidigung tilgen werden, die ihnen schon durch die Annahme allein hätte zugefügt werden können, dass die deutschen Untertanen Russlands ihr Vaterland verraten würden.

Vorposten: Beim Militär sind Vorposten vorgeschobene Einheiten, die Informationen über den Gegner verschaffen sollen oder die weiter zurück aufgestellten Truppen bewachen und sichern sollen
tilgen: beseitigen, aus der Welt schaffen

Ludwig Lutz, Abgeordneter der Reichsduma des Gouvernement Cherson, aus: Volkszeitung vom 03. August 1914, in: Victor Krieger, Kolonisten, Sowjetdeutsche, Aussiedler, Bonn 2015, S. 77.

Quelle 2

Der russlanddeutsche Gelehrte Karl Lindemann über die Deutschen im Zarenheer

Es wird vielleicht mancher dabei sagen: "Sie wurden dazu gezwungen und eilten nicht freiwillig zur Erfüllung ihrer patriotischen Pflichten." - Ja, natürlich wurden sie dazu "gezwungen", ganz ebenso wie die echten Russen, die damals mobilisiert wurden. […] Alle Nationalitäten des Reiches gingen damals nur gezwungen in diesen Krieg. Aber die deutschen Kolonisten gingen ins Heer, nicht nur weil sie mussten, sondern weil sie es für ihre höchste Pflicht hielten, ihrem Staate, ihrem Vaterlande in der Stunde der Gefahr hilfreich beizustehen und selbst ihr Leben für das Wohl und Bestehen des Vaterlandes zum Opfer zu bringen.

Hinweis: Wenn du mehr über den Wissenschaftler und Kämpfer für die Interessen der Russlanddeutschen Karl Lindemann (1847-1928) erfahren willst, dann kannst du dich hier informieren.

Karl Lindemann, Von den deutschen Kolonisten in Russland, in: Schriften des Deutschen Auslandsinstituts Stuttgart, A. Kulturhistorische Reihe, Hrsg. Walter Goez, Julius Ziehen, Bd.14, Stuttgart 1924, S. 94f.

Darstellung 2

Kriegserfahrungen russlanddeutscher Soldaten und deren Wirkungen

Hier siehst du eine Karte der Region Transkaukasien von 1994.
CIA, University of Texas Library
Caucasus region 1994
PD

An der Front erfuhren die russlanddeutschen Soldaten die Grausamkeit des Ersten Weltkriegs. In der Heimat war das Bekenntnis zu Russland in einer patriotischen Hochstimmung leicht. An der Front musste geschossen werden. Dort trafen die Soldaten auf ihre Gegner - die Soldaten der Mittelmächte. Viele Russlanddeutsche sprachen auch die Sprache ihrer russischen Kameraden nicht: Einsamkeit, Todesangst und Unterversorgung - das waren die Erfahrungen der russlanddeutschen Soldaten.

Nach den ersten Niederlagen der russischen Armee war die Stimmung in der Armee des Zaren zudem sehr gedrückt. Wut und Verzweiflung richteten sich auch gegen die russlanddeutschen Soldaten.

Die Befehlshaber reagierten und schickten die deutschen Soldaten nach Transkaukasien. Dort standen sie türkischen Soldaten gegenüber: ein neutralerer Feind. Die Aufgaben der russlanddeutschen Soldaten waren nun auch hauptsächlich hinter den Kampflinien: Nachschub organisieren, Transport- und Straßenarbeiten. Zum Waffendienst wurden sie kaum herangezogen. Dazu trug sicher auch bei, dass kaum die Hälfte der deutschen Rekruten richtig schießen konnte.

Transkaukasien ist eine Gegend im Süden des damaligen Russischen Reiches, die an die Türkei grenzt. Transkaukasien liegt zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Auf der Karte rechts oben in diesem Kasten ist das gut zu erkennen.
Beachte allerdings, dass es in Transkaukasien sowohl zur Zeit des Ersten Weltkriegs, bei der Anfertigung der Karte 1994 und heutzutage jeweils unterschiedliche politische Situationen mit dementsprechend verschiedenen Landesgrenzen gab und gibt.

Michael Günther und Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

Darstellung 3

Wehrdienstuntauglichkeit russlanddeutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg

Die Russlanddeutschen strotzten scheinbar nicht gerade vor Kraft und Gesundheit. Die russischen Wehrpflichtigen sollen weitaus gesünder und kräftiger als ihre deutschen Nachbarn gewesen sein. Nach den Musterungsberichten plagten sie sich oftmals mit chronischen Krankheit [...] herum. Nicht wenige wurden für untauglich empfunden, den Dienst an der Waffe zu leisten.
Als schließlich 1916 der Krieg jeden Mann brauchte, griff das Militär schließlich doch auf sie zurück. Wie im Falle des Artillerieinspektors des Militärbezirks Kazan haben sich nicht viele darüber gefreut: "In den Batterien gibt es Soldaten der niederen Ränge, die so schwächlich sind, dass sie nicht zur Armee geschickt werden können und in den Batterien fast keinen Dienst tun. Angesichts der bestehenden Situation wäre es wünschenswert, solche Kriegsdienstleistenden in eigene Kommandos unter besonderer ärztlicher Kontrolle auszusondern und die Brigaden von einem solchen Ballast zu befreien."

niederen Ränge: hier sind vor allen die russlanddeutschen Soldaten gemeint

Victor Dönninghaus, Revolution, Reform und Krieg. Die Deutschen an der Wolga im ausgehenden Zarenreich, in: Veröffentlichung zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, hg. Detlef Brandes, Dietmar Neutatz und Maria Rohde, Bd. 23, Essen 2002, S. 222f.

Aufgabe 1

  1. Beschreibe die Einstellung der Russlanddeutschen zu Beginn des Ersten Weltkriegs gegenüber Russland und Deutschland.
  2. Stelle die Situation der Russlanddeutschen als Soldaten an der Front dar.
  3. Warum haben sich die Russlanddeutschen im Ersten Weltkrieg für Russland eingesetzt?

2. Hass auf die Deutschen in Russland: 'Ihr seid schuld!'

Galerie: Ihr seid schuld!

Der Krieg lief für Russland nicht gut. In den ersten Kriegsjahren erlitt die russische Armee an der Westfront mehrere schreckliche Niederlagen. Diese hatten viele Gründe, zum Beispiel mangelnde Kriegsvorbereitung und Schwächen in der Kriegsführung. Über diese Ursachen wollten Offiziere und Politiker in Russland nicht gern sprechen. Sie suchten stattdessen nach Sündenböcken. Die Deutschen im Heer wurden beschuldigt, Verräter und Spione zu sein. Ihnen wurde unterstellt, aus Vaterlandsliebe zum Deutschen Kaiserreich die Niederlagen herbeigeführt zu haben.

Hier siehst du den "Befehl über die Versorgung der Soldaten an der Westfront" (20.07.1915), der sich gegen die Russlanddeutschen richtete.

Mit jedem weiteren Vorrücken des Feindes im Westen und mit der schnell zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Russland steigerte sich die feindliche Haltung gegenüber den Russlanddeutschen. Auch die Zarin Alexandra Fjodorowna (1872-1918), selbst eine Deutsche, wurde davon nicht ausgenommen. Man unterstellte ihr, die Truppenbewegungen des russischen Heeres an den Gegner verraten zu haben. In der Presse und in zahlreichen Hetzschriften wurde der Hass auf die Deutschstämmigen im Land geschürt. Er griff auf weite Kreise der russischen Gesellschaft über.

In den von 1915 bis 1917 erlassenen, sogenannten Liquidationsgesetzen (Beseitigungsgesetzen) fand die Feindseligkeit gegen die Russlanddeutschen ihren politischen Ausdruck. Mit ihnen wurden Russlanddeutsche enteignet und 200.000 deutsche Grenzbewohner aus Wolhynien ins Landesinnere vertrieben. Man unterstellte ihnen, mit der vorrückenden Armee des Deutschen Reichs gemeinsame Sache machen zu wollen.
Außerdem wurde die Veröffentlichung von deutschen Zeitungen und Zeitschriften unterbunden. In öffentlichen Einrichtungen durfte die deutsche Sprache nicht mehr genutzt werden. Ausgenommen waren nur Kirchen.

Misstrauen! Viele deutschstämmige Offiziere im russischen Heer erschienen bald nach Kriegsbeginn verdächtig. Russische Nationalisten fragten: In wessen Dienst stehen sie? Sind sie verantwortlich für die Niederlagen Russlands?
Günther Herrler, Institut für digitales Lernen
Illustration: 6.4 Russlanddeutsche unter Verdacht
CC 4.0 BY-SA

Wie hatte das geschehen können? In der russischen Öffentlichkeit und Politik wurden viele Fragen gestellt. Die Zeitungen fanden Antworten. Doch waren es auch die richtigen?

Quelle 3

Plakate in Moskau warnten vor den Deutschen in Russland (1915)

Hinweis: Die russische Militärverwaltung ließ im Sommer 1915 an vielbesuchten Orten eine Warnung für die Russen aufhängen:

Die Deutschen in Russland treiben Spionage im Interesse des deutschen Heeres und stehen mit diesem und mit der deutschen Regierung in regem Verkehr. Darum wird das Publikum aufgefordert, die in Moskau wohnenden Deutschen scharf zu überwachen, deren verräterische Tätigkeit zu beobachten und falls ein verdächtiges Benehmen der Deutschen bemerkt werden sollte, sofort darüber zu berichten.

Spionage: Ausspähen geheimer Informationen für einen politischen oder militärischen Gegner

Karl Lindemann, Von den deutschen Kolonisten in Russland, in: Schriften des Deutschen Auslandsinstituts Stuttgart, A. Kulturhistorische Reihe, hg. von Walter Goez und Julius Ziehen, Bd. 14, Stuttgart 1924, S. 107f.

Quelle 4

'Die Wahrheit über die Deutschen' - eine Broschüre des russischen Kriegsministeriums

Der russische Kriegsminister Alexei Andrejewitsch Poliwanow (1855-1920) hatte die Broschüre gegen die Deutschen zu verantworten.
Фотография ателье Буллы
Alexei_Polivanov.jpg
PD

Hinweis: Nach den Niederlagen der russischen Armee im ersten Kriegsjahr wurde eine Broschüre unter den Frontsoldaten verteilt, in der eine große Abneigung gegen Russlanddeutsche zum Ausdruck kam und harte Maßnahmen gegen sie verlangt wurden.

Nicht nur alle Reichsdeutschen, sondern auch alle russländischen Deutschen, deren Vorfahren aus Deutschland eingewandert sind, müssen sofort, ohne Zeitverlust und Schwanken, aus Russland ausgesiedelt, d.h. vertrieben werden. Es wird das vom Standpunkt der Staatserhaltung verlangt und muss geschehen im Interesse unseres Vaterlandes und unserer heroischen Krieger, welche furchtlos ihr Leben opfern für Glauben, Kaiser und Vaterland. [...] Das große russische Volk versteht diese Schätze zu beschützen; es braucht keine deutschen Meister und Vormünder. Diese müssen alle vertrieben werden, ohne jede Rücksicht auf Alter, Geschlecht, eingebildete Nützlichkeit oder langjähriges Leben in Russland.

Vormünder: Personen, die sich um die Angelegenheiten anderer Menschen kümmern, weil diese dazu nicht in der Lage sind. Das kann zum Beispiel nötig sein, weil diese Menschen noch Kinder sind oder eine geistige Krankheit haben. 
Die Bezeichnung Vormund stammt aus dem Rechtswesen. Sie wird hier auf den Umgang der Deutschen mit den Russen übertragen.

Quelle 5

Polzeibericht aus Atkarsk über das Verhalten der Russlanddeutschen gegenüber Russen (1916)

Hier siehst du rot eingefärbt das Gebiet "Saratov Oblast", in dem die Stadt Atkarsk liegt.

Die Kolonisten zeigen der russischen Bevölkerung gegenüber keinerlei offene Feindseligkeit. Gegenüber Regierungsbehörden, Funktionsträgern und Beamten sind die Kolonisten bestrebt, ihre völlige Loyalität und Dienstbeflissenheit zu unterstreichen.

Hinweis: Der Bericht wurde durch den Polizeichef des Kreises Atkarsk verfasst. Er stammt vom 15. September 1916. Atkarsk liegt etwa 90 km von Saratow entfernt. Die Karte zeigt rot eingefärbt das Gebiet, in dem die Stadt liegt.

Kolonisten: gemeint sind die russlanddeutschen Siedler
Loyalität: gesetzestreues Verhalten

Victor Dönninghaus, Revolution,Reform und Krieg, Die Deutschen an der Wolga im ausgehenden Zarenreich, in: Veröffentlichung zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, Hrsg. Detlef Brandes, Dietmar Neutatz, Maria Rohde, Bd. 23, Essen, 2002, S. 214.

Darstellung 4

War General Paul von Rennenkampf ein Verräter?

Paul von Rennenkampff (1854-1918) war ein in Kondorf (estnisch: Konuvere) geborener sogenannter Deutschbalte, der Karriere im russischen Militär machte. Aufgrund seiner Verdienste hatte er als russischer Patriot und Vorbild im Volk ein hohes Ansehen. Nach eigener Aussage fühlte er sich deutsch, war aber zum orthodoxen Glauben konvertiert. Im Ersten Weltkrieg war er Oberbefehlshaber der 1. Russischen Armee an der nord-westlichen Front.
An der Schlacht vom Tannenberg nahm er zusammen mit der 2. Russischen Armee unter General Alexander Wassiljewitsch Samsonow teil.

Als die 2. Armee von deutschen Truppen eingekesselt wurde, kam er ihr nicht zu Hilfe. Warum er nicht half, lässt sich bis heute nicht vollständig erklären. Er schätzte die Lage taktisch offenbar falsch ein. Hinzu kam, dass sich beide Generäle überhaupt nicht mochten und nur mangelhaft Absprachen trafen. Die Russen erlitten gegen die Deutschen im Herbst 1914 eine herbe Niederlage. Die 2. russische Armee wurde völlig aufgerieben. In einer weiteren Schlacht ließ von Rennenkampff eingekesselte deutsche Verbände entweichen.

Nun unterstellte man ihm Verrat. Er verließ die Armee. In einer Untersuchung konnte der Vorwurf des Vaterlandsverrats nicht bestätigt werden. Trotzdem erschien General von Rennenkampf in der russischen Gesellschaft wie ein Verräter. Deutschfeindlichen Russen sahen in seinem Fall einen Beleg dafür, dass alle Deutschen in Russland mit dem Feind kollaborierten.

Michael Günther, Institut für digitales Lernen

Aufgabe 2

Zeige den veränderten Umgang mit Russlanddeutschen in Russland während des Ersten Weltkriegs auf.

Aufgabe 3

  1. Informationen zu diesem Abschnitt der russlanddeutschen Geschichte gibt es natürlich nicht nur im mBook.
    Recherchiere eigenständig weitere Informationen zu folgenden Personen und Themen:
    - Leben und Kriegsentscheidungen von General Paul von Rennenkampf
    - Die Biographien von Zarin Alexandra Fjodorowna und Alexei Andrejewitsch Poliwanow
  2. Bereite einen Vortrag zu diesen Personen vor. Das Thema eines solchen Vortrags könnte zum Beispiel lauten: "Warum wurde deutsche Abstammung zum Problem?"

3. Die 'Liquidationsgesetze': 'Alle Deutschen sollen bluten'

Nach den Niederlagen der russischen Armee rückten die Truppen der Mittelmächte immer weiter nach Osten vor. Auch ein Vorstoß bis in deutsche Siedlungsgebiete war im Jahr 1915 nicht mehr ausgeschlossen.

Für die russische Regierung war das eine unerträgliche Vorstellung. Daher beschloss sie Maßnahmen, um ein solches Zusammentreffen zu verhindern. Alle deutschen, ungarischen und österreichischen Siedler innerhalb eines bis zu 150 km breiten Grenzstreifens sollten ihr Land verlieren und ins Hinterland gehen. Dabei wurde nicht nach Schuldigen gefragt: Die zwangsweise Umsiedlung betraf etwa 200.000 Menschen aus Wolhynien, die in Richtung Ural, Kasachstan oder Sibirien gebracht wurden. Ihre Häuser und ihr Land wurden besitzlosen russischen Bauern und Frontsoldaten zugesprochen.

In den Jahren 1916 und 1917 wurden diese Maßnahmen gegen die Deutschen in Russland noch verschärft. Nun sollten alle Deutschen aus dem europäischen Teil Russlands verbannt werden. Diese sogenannten Liquidationsgesetze standen für den Plan einer 'Rückeroberung des russischen Bodens'. Dass man den Russlanddeutschen mitten im Krieg gegen Deutschland vorwerfen konnte, Verräter zu sein, machte die Entwicklung dieses Plans leichter: Scheinbar waren die geplanten Enteignungen und Vertreibungen nun sogar rechtmäßig. Die Realisierung dieser Pläne wurde jedoch durch den Ausbruch der Revolution verhindert.

Diagramm 1

Umsetzung der Enteignungen im Siedlungsgebiet der Deutschen am Schwarzen Meer

1 Dessjantine = 10.925,3975 m² oder ca. 1,1 ha
Prozentsatz des deutschen Grundbesitzes in Klammern.
http://www.russlanddeutschegeschichte.de/geschichte/teil2/wirtschaftlich/gesetz3.htm [1.10.2016]

Zusammenfassung

Maßnahmen und Aktionen gegen Russlanddeutsche

  • antideutsche Aktionen nach der Kriegserklärung des Deutschen Reiches, u.a. Umbenennung deutscher Dörfer, Botschaftserstürmung, Versammlungsverbot
  • 'Liquidationsgesetze', um Russlanddeutschen ihren Besitz zu nehmen und sie zu vertreiben
  • Gründung des 'Komitees zur Bekämpfung der deutschen Übermacht': Planung antideutscher Maßnahmen
  • Pogrom vom 27. Mai 1915 in Moskau gegen Deutsche: Zerstörung von 759 deutschen Geschäften, 40 Verletzte, 3 Tote
  • Abkommandierung der Russlanddeutschen von der Westfront
  • Oktober 1915: Verbot des Unterrichts in deutscher Sprache und aller deutschen Medien (Zeitungen usw.)
Michael Günther, Institut für digitales Lernen

Quelle 6

Bekanntmachung der Deportation im Kreise Nowograd-Wolynsk (Juni 1915)

Alle Deutschen, Kolonisten, Nichtorthodoxen des Kreises Nowograd-Wolynsk, die nicht in geschlossenen Ortschaften leben, unterliegen der Aussiedlung. Sie haben bis zum 10. Juli des Jahres Zeit, ihren Landbesitz aufzulösen. An ihren Wohnorten können verbleiben: Frauen der Kolonisten, die sich in unserem aktiven Heer befinden, ihre Kinder, Mütter und Familienoberhäupter. Auszusiedelnde dürfen ihre Besitztümer mit sich nehmen. In den deutschen Siedlungen werden vorübergehend Flüchtlinge aus Galizien einquartiert, denen entsprechende Gebäude zur Verfügung gestellt werden. Sie werden auch mit der Einbringung der Ernte sowie der Aufsicht über den Besitz der Auszusiedelnden beauftragt, der aus irgendwelchen Gründen am Orte zurückgelassen werden muß. Für Gewaltakte, die die Kolonisten an den Flüchtlingen verüben, wird der Schuldige dem Kriegsgericht überstellt. [...] Die gesamte Bevölkerung des Kreises wird gewarnt, daß diejenigen, die sich durch eine ungesetzliche Benutzung eines von den auszusiedelnden Kolonisten vorübergehend zurückgelassenen Gegenstandes schuldig machen, in Übereinstimmung mit den Kriegsgesetzen den strengsten Strafen unterzogen werden.

Quelle 7

Folgen der Maßnahmen gegen die Russlanddeutschen (1917)

Erklärung von Abgeordneten der Staatsduma über die 'Liquidation' des wolgadeutschen Besitzes:
Die unter uns lebenden deutschen Kolonisten sind ebensolche russischen Bürger wie wir alle. In unserer Region sind die Kolonisten unersetzliche Landwirte [...].

Aussage eines russischen Politikers über die Folgen der Liquidation in den von Russlanddeutschen besiedelten Wolga-Gebieten:
Wir diskutieren über Rückstände bei der Aussaat. Und was hat diese verrückte Macht gemacht? Sie hat in den Gouvernements von Saratov und Samara das Gesetz über die Liquidation des deutschen Landbesitzes umgesetzt. Dies hat zur Folge, dass auf 600.000 Desjatinen Land nicht ausgesät werden wird.

verrückte Macht: Regierung des Zaren
Gouvernements: Verwaltungsgebiet
Desjatinen: altes russisches Flächenmaß; 1,1 Hektar (10.000 Quadratmeter)

Erste Quelle: Erklärung vom 23. Februar 1917, in: Victor Dönnighaus, Revolution, Reform und Krieg. Die Deutschen an der Wolga im ausgehenden Zarenreich, in: Veröffentlichung zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, hg. Detlef Brandes, Dietmar Neutatz und Maria Rohde, Bd. 23, Essen 2002, S. 259;

zweite Quelle: Redeauszug von A.I. Šingarev, in: Victor Dönnighaus, Revolution, Reform und Krieg. Die Deutschen an der Wolga im ausgehenden Zarenreich, in: Veröffentlichung zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, hg. Detlef Brandes, Dietmar Neutatz und Maria Rohde, Bd. 23, Essen 2002, S. 259.

Kommentar

Politik gegen die Russlanddeutschen: nur von nationalistischen Gefühlen getrieben und wirtschaftlich unsinnig

Wie unüberlegt die Vorhaben der russischen Regierung gegen die Deutschen in Russland doch waren! Wie war denn die Lage im Jahr 1917? Das russische Volk hungerte und nun sollten ausgerechnet die schwarzmeer- und wolgadeutschen Bauern umgesiedelt werden? Sie waren doch ganz wichtige Getreidelieferanten für das gesamte Land.
Der Umsetzung des Vorhabens kam im Jahr 1917 die bürgerliche Revolution in die Quere. Anstatt der Deutschen wurde nun der Zar entfernt. Die Wolgadeutschen lernten daraus, dass zukünftig ihr Grund und Boden und sie selbst vor dem Staat geschützt werden sollten. Das Zauberwort hierfür lautete Autonomie. Also kämpften viele von ihnen nun für eine politische Selbstbestimmung.

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

Aufgabe 4

  1. Skizziere die Folgen der Maßnahmen gegen die Russlanddeutschen für Russland. Beziehe dabei die Lage Russlands ein.
  2. Recherchiere den Umgang Deutschlands mit Staatsangehörigen jener Länder, gegen die das Deutsche Reich Krieg führte.

4. Phase der Entspannung: 'Hurra, hurra! Weg mit dem Zar!'

Die Revolution beginnt! Petrograd am 23. Februar 1917.

Die bürgerliche Revolution im Februar 1917 setzte der Zarenherrschaft ein Ende. Die Erleichterung unter den Russlanddeutschen war groß. Mit Spannung sahen sie nun den ersten Tagen der provisorischen Regierung entgegen. Wie würden sie sich Ihnen gegenüber verhalten?

Das kriegsmüde Land ersehnte die Beendigung des Krieges und erlebte dennoch zunächst dessen Fortsetzung. Die ersten Gesetze für die Minderheiten im Land wurden von den Russlanddeutschen begrüßt. Die Liquidationsgesetze wurden aufgehoben. Die Vertriebenen kehrten in ihre Heimat zurück.

Wenige Tage später wurde das Gesetz zur 'Gleichheit aller Nationen und Konfessionen' verkündet. Es erlaubte auch die Verbands- und Versammlungsfreiheit. Die nationalen Minderheiten nutzten die neugewonnene Freiheit zu regen politischen Aktivitäten. So gründete sich an der Wolga im April 1917 das 'Zentralkomitee der Wolgadeutschen' und im September die 'Republikanische Kolonistenpartei'. Im Gebiet Odessa wurde der 'Allrussische Bund russischer Deutscher' gegründet. Er erhob die Forderung nach einer demokratischen Republik.

Das große Ziel der russlanddeutschen Interessenvertretungen war die Autonomie der von Deutschstämmigen besiedelten Regionen. Sie hatten gelernt, dass der Schutz der Siedlungen nur durch die politische Organisation der Deutschen dauerhaft möglich sein würde. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Russlanddeutschen sich vollständig vom russischen Staat lossagen wollten. Die Wolgadeutschen strebten vielmehr nach einer Selbständigkeit innerhalb des russischen Vielvölkerstaates. Die Trennung von Russland stand niemals zur Debatte.

Quelle 8

Hoffnung auf ein freies und sicheres Leben in Russland

Saratov, Stadt an der Wolga und Ausgangspunkt der Autonomiebestrebungen

Hinweis: Vom 25. bis 27. April 1917 fand in Saratow eine Versammlung von 385 Kreisbevollmächtigten der deutschen Wolga-Kolonien statt. Dabei sprach auch der russlanddeutsche Rechtsanwalt Karl Justus zu den Anwesenden. Unter diesen war als Vertreter der Regierung auch der stellvertretende Kommissar des Gouvernements von Saratow, A. A. Tokarski. Wenn die Teilnehmer der Versammlung dem Redner zustimmten, kam Beifall auf. Das hat der Urheber der Quelle mit notiert.

Die Herrschaft der Willkür und der Gewalttätigkeit [...] ist nun bei uns gebrochen. Auf den Ruinen der alten ist eine neue Regierung erstanden, ein neues Leben bricht sich Bahn. Wir wollen hoffen, dass diese neue Regierung auch der deutschen Bevölkerung des Reiches wird Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wir wollen hoffen, dass die Seiten der Geschichte des neuen Russlands nicht mehr beschmutzt sein werden durch Verfolgung und Vertreibung der im Reiche lebenden einzelnen Völkerschaften. (Beifall). Wir wollen hoffen, ja ich möchte mehr sagen, wir sind gewiss, dass man unsere Rechte, als die der freien Bürger des Landes, nicht mehr antasten wird. (Beifall)

5. Die Oktoberrevolution der Bolschewiki und ihre Folgen für nationale Minderheiten

Lenin und Stalin - die Führer der kommunistischen Revolution entschieden auch über das Schicksal der Russlanddeutschen.
Unknown, Upload: Waldemar~commonswiki
Lenin_and_stalin.jpg
PD

Die Phase der bürgerlichen Übergangsregierung dauerte nicht lange. Im Herbst 1917 folgte eine erneute politische Umwälzung. Die kommunistischen Bolschewiki griffen am 25. Oktober 1917 nach der Macht im Land und verdrängten gewaltsam die bürgerliche Regierung.

Die ersten Gesetze der neuen Regierung lösten unterschiedliche Reaktionen bei den Russlanddeutschen aus. Das 'Dekret über den Frieden' versprach endlich den ersehnten Friedensschluss. Für die Deutschstämmigen war dieser Frieden wichtig, weil sie nur dadurch den Status des 'inneren Feindes' verlieren konnten.
Das 'Dekret über den Boden' aber sorgte für neue Ängste, weil es die Enteignung von staatlichem, kirchlichem und privatem Grundbesitz verkündete. Den vielen armen und verarmten Russen sollte damit Land und Arbeit gegeben werden. Bei den Russlanddeutschen aber löste es die Befürchtung aus, (erneut) den eigenen Besitz zu verlieren.
Das dritte Gesetz war das 'Dekret über die Völker Russlands'. Es erklärte die Rechtsgleichheit und die Souveränität aller Völker Russlands. Vor allem aber gewährten die Bolschewiki damit allen Minderheiten die Möglichkeit, einen eigenen Staat zu gründen. Die Führer der kommunistischen Revolution erhofften sich von diesem Dekret eine Unterstützung durch die Minderheiten und damit die Festigung ihrer Macht. Die Autonomie schien für die Deutschen greifbar nahe.

Quelle 9

Dekret über die Rechte der Völker Russlands (Auszug)

  1. Gleichheit und Souveränität der Völker Russlands.
  2. Recht der Völker Russlands auf freie Selbstbestimmung bis hin zu einer Loslösung und Bildung eines selbstständigen Staates.
  3. Aufhebung aller und jeglicher nationaler und nationalreligiöser Privilegien und Einschränkungen.
  4. Freie Entfaltung nationaler Minderheiten [...], die das Gebiet Russlands bewohnen.
www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0002_vol&object=pdf&st=&l=de [16.1.2016].

Quelle 10

Lenins Einschätzung über das Verhalten der 'Völker Russlands' nach der Gewährung der Souveränität

Ich bin fest überzeugt, dass sich die verschiedenen einzelnen Föderationen freier Nationen immer mehr und mehr um das revolutionäre Russland sammeln werden. Ganz freiwillig, ohne Lüge und ohne Waffen, wird diese Föderation wachsen, sie ist unbesiegbar.

W. I. Lenin, Werke, Bd. 26, September 1917 - Februar 1918, Berlin 1961, S. 480.

Quelle 11

Lenins Verständnis des Selbstbestimmungsrechts der Völker

Wir sind für die Autonomie für alle Teile, wir sind für das Recht auf Lostrennung (nicht aber die Lostrennung aller!). Die Autonomie ist unser Plan für den Aufbau eines demokratischen Staats. Die Lostrennung ist keineswegs unser Plan. Die Lostrennung wird keineswegs von uns propagiert. Im Allgemeinen sind wir gegen die Lostrennung. […] Das Recht auf Selbstbestimmung ist eine Ausnahme von unserer allgemeinen Prämisse des Zentralismus.

Autonomie: Selbstbestimmung. Hier ist die Selbstbestimmung der im Russischen Reich lebenden Völker und nationalen Minderheiten gemeint.
Prämisse: Annahme

W. I. Lenin, Werke, Bd. 19, März – Dezember 1913, 4. Aufl., Berlin 1977.

Darstellung 5

Ende des Krieges zwischen Deutschland und Russland: Der Friede von Brest-Litowsk und seine Regelungen über die Russlanddeutschen (1918)

Die Verhandlungsführer in Brest-Litowsk bei der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 15.12.1917

Im Dezember 1917 trafen sich Vertreter Russlands und der Mittelmächt in der weißrussischen Stadt Brest-Litowsk, um über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Die Artikel 21 und 22 des Zusatzvertrages zum Frieden von Brest-Litowsk beschäftigten sich mit den Deutschen in Russland. Folgendes wurde vereinbart:

  • Die russische Regierung zahlte für entstandenen Schaden an deutschem Eigentum Entschädigungen. 
  • In den kommenden zehn Jahren sollten die Russlanddeutschen ungehindert nach Deutschland auswandern können. 

Sowohl die deutsche als auch die russische Regierung waren an der Umsetzung dieser Vereinbarungen aber nicht sehr interessiert. Die für eine geregelte Auswanderung in Deutschland eingerichtete 'Reichsstelle für die deutsche Rückwanderung und Auswanderung' machte keine Werbung für die Übersiedlung von Russlanddeutschen nach Deutschland. Und die russische Regierung hatte keine Eile bei der Zahlung von Entschädigungen.

Michael Günther, Institut für digitales Lernen

Aufgabe 5

Charakterisiere das Verhältnis zwischen der russischen Regierung und den Russlanddeutschen nach dem Sturz des Zaren.

Aufgabe 6

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nahmen viele Politiker an, dass die Souveränität aller Völker ein Mittel sei, um Spannungen in und zwischen den Staaten abzubauen und Frieden zu schaffen. Auch Lenin und seine Regierung folgten diesem Denken. Es beherrschte auch die Friedensverhandlungen und -abkommen nach Ende des Ersten Weltkriegs. Neue Kriege gab es danach trotzdem. Ob die Souveränität des Volkes tatsächlich automatisch zu friedlichen Verhältnissen führt, ist daher heute bei Wissenschaftlern umstritten.

Beurteile anhand der Quellen 9 bis 11 die Vorstellungen Lenins über die Souveränität der Völker.