6.6 Glasnost und Perestroika - Was haben die Russlanddeutschen davon?

Was machen die Russlanddeutschen nun in all den frisch geschlüpften Nachfolgestaaten der UdSSR?

Was machen die Russlanddeutschen nun in all den frisch geschlüpften Nachfolgestaaten der UdSSR?

Michail Gorbatschow, der erste und letzte Präsident der UdSSR, wird in Deutschland immer noch von vielen Leuten verehrt: Er war eine Hoffnungsfigur für die Menschen in der ehemaligen DDR, die sich Ende 1980er Jahre nach Freiheit und gesellschaftlichen Reformen sehnten. Er hat die Einheit Deutschlands möglich gemacht. Er hat seit 1985 durch seine Politik von Glasnost und Perestroika die erstarrte kommunistische Diktatur in der Sowjetunion mit beendet.
Doch wie wirkte sich seine Politik auf die Russlanddeutschen aus? Haben sie die Reformzeit in den späten 1980er Jahren auch als Zeit des Aufbruchs erlebt? Hat sich ihr Schicksal grundlegend geändert?

1. Autonomie oder keine Autonomie?

Ein kommunistischer Reformer am Werk: Michail Gorbatschow im Jahr 1986 bei einer Rede.
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CC 3.0 BY-SA

Nachdem Michail Gorbatschow im Jahr 1985 Generalsekretär der KPdSU und damit der wichtigste politische Staatsmann der Sowjetunion geworden war, begann er eine Reformpolitik, um das Land zu modernisieren und zu demokratisieren. Sein Konzept für diese Politik nannte er Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau/Umgestaltung). Es entstand eine Öffentlichkeit für politische Fragen, die Medien berichteten freier - auch über die Verbrechen der kommunistischen Herrscher der Vergangenheit. Gorbatschow wollte die Arbeitsmoral erhöhen, den Alkoholmissbrauch beenden und die Eigeninitiative der Betriebe erhöhen.

Die offenere Debatte über Fehler und Verbrechen der Vergangenheit berührte das Schicksal der Russlanddeutschen. Ihre Vertreter begannen Verhandlungen mit den Moskauer Machthabern über die Wiederherstellung der 1941 aufgelösten Wolgadeutschen Republik sowie die Wiederherstellung der kulturellen Einrichtungen der Russlanddeutschen.

In der russisch dominierten Mehrheitsgesellschaft der Sowjetunion fanden solche Forderungen der Russlanddeutschen jedoch keine ernsthafte Unterstützung. Lokale und regionale Partei- und Verwaltungsfunktionäre wandten sich offen gegen solche Forderungen, besonders im Wolga-Gebiet. Obwohl die Nationalitätenkammer des Obersten Sowjets Ende 1989 die Forderungen der russlanddeutschen Vertreter unterstützte, wurden sie nie umgesetzt. 

Quelle 1

Gespräch einer russlanddeutschen Delegation mit einem sowjetischen Funktionär, 1988

August Voss [Vorsitzender des Rates der Nationalitäten, höherer sowjetischer Politiker]: Ich als Vorsitzender des Nationalitätenrates entscheide diese Frage nicht direkt. Da ihr an den Obersten Sowjet und an meinen Namen geschrieben habt, wurde mir aufgetragen, euch zu empfangen und anzuhören, was ich auch getan habe. Eure Argumente sind überzeugend [...]. In Bezug auf die Wiederherstellung der Autonomie: Früher, vor der Perestroika widmete natürlich niemand dieser Frage Aufmerksamkeit, [...]. Jetzt aber wird diese Frage auf aufmerksame Weise geprüft.

Zwischenruf (aus der russlanddeutschen Delegation): August Eduardowitsch, verzeihen sie uns. Es ist aber so, dass wir dies bereits mehrmals gehört haben.

Zwischenruf: Seit 1965.

Zwischenruf: Es wird geprüft und immer wieder geprüft, aber nichts entschieden. Seit 1965 sind keine konkreten Schritte erfolgt.

Voss: [...] Die Regierung und das Zentralkomitee haben beide Hände voll zu tun angesichts der Perestroika, der ökonomischen und politischen Reform. Wir sind noch nicht so weit. Man muss das alles selbstverständlich klären und ordnen.

Andrej Hartung (Mitglied der Delegation): Wir wollen, dass Moskau lautstark erklärt, dass die Frage auf der Tagesordnung steht.

Voss: Wir überlegen, in welcher Form wir das tun können. Ich sage euch gleich, dass man informiert werden muss, sowohl die sowjetischen Deutschen als auch andere Nationalitäten müssen davon wissen.

Zwischenruf: Es ist wichtig, dass sie bereits morgen darüber Bescheid wissen.

Eleonora Heldt (Mitglied der Delegation): Es ist wichtig, dass die Medien mitteilen: Die Deutschen sind nach Moskau gekommen zum Anlass der Schaffung ihrer Republik und dass diese Frage auf höchster Ebene erörtert wird.

Voss: Es ist wichtig, den Medien eine derartige Empfehlung zukommen zu lassen. Hier gibt es verschiedene Formen: Im Rundfunk, im Fernsehen, in Zeitungen.

Zwischenruf: Unsere Frage geht in den Redaktionen spurlos unter. [...] Haben Sie keine Kompetenz, den Zeitungen Instruktionen zu geben?

Voss: Ich habe Kompetenzen, die Frage zu stellen. [...] Alles, was Sie gesagt haben, ist richtig, und Sie haben gut argumentiert.

Zwischenruf: Sie persönlich, als Kommunist, wie verhalten Sie sich zu dieser Frage: Braucht man Autonomie oder nicht?

Voss: Na, zunächst bin ich wenig informiert. [...] Ich habe mich mit eurer Frage speziell nicht beschäftigt. Aber so, wie ihr sprecht, meine ich, ihr stellt die Frage richtig...

Autonomie: Selbstständigkeit - Die Russlanddeutschen forderten nicht nur eine Rückkehr an die Wolga, sondern auch die Wiedererrichtung einer 'Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen', also eines wolgadeutschen Staates als Teil der Sowjetunion, wie sie ihn von 1918-1941 schon einmal gehabt hatten.
Perestroika: Umbau, Umgestaltung - Sammelbegriff für die Reformpolitik, die Gorbatschow 1986 begonnen hatte, um die Sowjetunion wirtschaftlich und politisch zu liberalisieren und zu modernisieren.

Zitiert nach: György Dalos, Geschichte der Russlanddeutschen, München 2014, S.263 f.

Aufgabe 1

  1. Markiere in Quelle 1 alle Formulierungen, mit denen der Funktionär Voss versucht, die Russlanddeutsche zu beruhigen, ohne ihnen Zusagen zu machen.
  2. Versetze dich in einen Teilnehmer der Delegation. Schreibe einen Brief an deine Familie, in der du von den Verhandlungen berichtest und ihren Verlauf und ihr Ergebnis beurteilst.

Tabelle 1

Veränderungen in der Verteilung Russlanddeutscher in der Sowjetunion (1959-1989)

Wohnort1959197019791989
RSFSR (Russland)820.016761.888790.762842.295
Ukraine23.24329.87134.13937.849
Kasachstan659.751858.077900.207957.518
Usbekistan17.95833.99139.51739.809
Kirgisien39.91589.834101.057101.309
Estlandca. 700ca. 7.9003.9443.466
Lettland3.2993.783
Peter Hilkes und Gerd Stricker, Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Gerd Stricker (Hg.), Deutsche Geschichte im Osten Europas. Rußland, Berlin 1997, S. 249.

Darstellung 1

Die Probleme der sowjetischen Führung mit einer russlanddeutschen Autonomie an der Wolga

Galerie: Unabhängigkeitsbewegungen
Victor Vizu
Original file
PD

Die Sowjetunion hatte mit der Forderung der Russlanddeutschen, an die Wolga zurückzukehren, zwei große Probleme. Zum einen lebten an der Wolga in den alten russlanddeutschen Siedlungsgebieten mittlerweile andere Menschen, vor allem Russen und Ukrainer, die während des Zweiten Weltkrieges dort angesiedelt worden waren. Bei diesen Menschen stieß die Aussicht, massenhaft Russlanddeutsche könnten bald zurückkehren auf Ablehnung und Angst. Würden die Rückkehrer denn ihrerseits ihnen nicht Wohnungen und Arbeitsplätze wegnehmen?

Zum anderen erlebte die Sowjetunion Ende der 80er Jahre eine Welle von nationalen Unabhängigkeitsbewegungen. BaltenTataren, Georgier u.a. forderten eigene Staaten und Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Hätte man den Forderungen der Russlanddeutschen nachgegeben, hätten alle anderen das als Signal verstanden und umso heftiger auf ihr Recht auf Selbstständigkeit und Unabhängigkeit bestanden.

Lukas Kneser, Institut für digitales Lernen

2. Die Auflösung der Sowjetunion und die Folgen

Nach 1990 begann die Sowjetunion sich aufzulösen. Im Inneren verlor die Kommunistische Partei ihre diktatorische Macht. Zudem lösten sich immer mehr Teilrepubliken von der Sowjetunion ab und erklärten ihre staatliche Unabhängigkeit. Im August 1991 erklärten zum Beispiel die Ukraine, Weißrussland, Moldawien und Kirgisistan ihre staatliche Eigenständigkeit. Nachdem auch Russland selbst sich am Jahresende 1991 aus dem Staatsgebilde der UdSSR gelöst hatte, hörte die Sowjetunion auf zu existieren.

Die Auflösung der Sowjetunion, in der Russland und die Russen immer dominiert hatten, hatte positive und negative Folgen für das Leben der Russlanddeutschen. Einerseits konnten sie sich jetzt frei organisieren und in der Öffentlichkeit Gehör verschaffen, etwa durch Zeitungen und im Fernsehen. Auch der Pflege ihrer Kultur stand nun keine Ideologie mehr im Wege. Andererseits waren sie nun Angehörige mehrerer unabhängiger Staaten, die erklärten, für ihr Schicksal und ihre Wünsche nicht zuständig zu sein. In der Ukraine konnte zum Beispiel ein Verein mit dem Namen "Russlanddeutsche" von der Regierung nicht anerkannt werden. Der Grund dafür war sehr einfach: Nach der Unabhängigkeit legten die neuen Staaten großen Wert darauf, nicht mehr als russisch bezeichnet zu werden. Außerdem wollten sie mit staatenübergreifenden Problemen der alten Sowjetunion nicht mehr konfrontiert werden. In ihrer Sicht konnte es deshalb Russlanddeutsche auch nur noch in Russland geben.

Darstellung 2

Was war die Sowjetunion eigentlich für ein Staat

Die Sowjetunion hieß eigentlich mit vollem Namen 'Union der sozialistischen Sowjetrepubliken'. Dieser Name weist bereits darauf hin, dass es sich bei diesem Staat um einen Zusammenschluss (eine Union) mehrerer Teilstaaten handelt. Der wichtigste und größte dieser Teilstaaten war die Russische Sowjetrepublik, zusätzlich zu ihr gab es aber noch 13 weitere Sowjetrepubliken (z.B. die heutige Ukraine und Kasachstan). Diese Republiken hatten alle ihre eigenen Regierung, zusätzlich dazu aber auch eine Zentralregierung der Union mit Sitz in Moskau. Grundsätzlich ist das System mit dem der BRD zu vergleichen, in dem es 16 Bundesländern mit eigenen Parlamenten und Regierungen (Landtage und Landesregierungen) gibt und ein Bundestag und eine Bundesregierung in Berlin. Allerdings gibt es zwei große Unterschiede:

  • Das System der Sowjetunion war nicht demokratisch organisiert. Die einzelnen Regierungen waren nicht wirklich gewählt und die Regierungen der Teilrepubliken waren abhängig von der Zentralregierung in Moskau (und damit von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion KpdSU). Gegen deren Willen konnte in den Republiken keine unabhängige Politik gemacht werden. Wichtige Fragen der Wirtschafts-, Innen-, und Außenpolitik einzelner Republiken wurden letztlich immer in Moskau entschieden.
  • Die Teilrepubliken waren nur offiziell gleichberechtigt. Tatsächlich wurden sie von der größten und wichtigsten Republik, der Russischen Sowjetrepublik dominiert. Diese umfasste mehr als die 75% der Gesamtfläche und beheimatete mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Sowjetunion (zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland leben etwa 20% der Einwohner der BRD).
Lukas Kneser, Institut für digitales Lernen
Tagesschau des Ersten Deutschen Fernsehens zum Ende der Sowjetunion am 25.12.1991
https://www.youtube.com/watch?v=LLH5F57Rx6c

Quelle 2

Ein Russlanddeutscher berichtet seine Erinnerungen aus der Zeit

 

 

 

Übersicht

Unterschiedliche Vorstellungen in den Verbänden der Russlanddeutschen über die Zukunft (1989-1991)

Name des VerbandsGründungsjahrForderungen
Allunionsgesellschaft der Sowjetdeutschen 'Wiedergeburt' für Politik, Kultur und Bildung1989Wiederherstellung der Wolgarepublik oder anderer autonomer Gebiete der Russlanddeutschen in der Sowjetunion; volle Rehabilitierung der Russlanddeutschen; freie Betätigung in der eigenen Sprache und Kultur; volle Glaubensfreiheit

Verband der Deutschen der UdSSR, später:
Zwischennationaler Verband der Deutschen in der GUS

1991Wiederherstellung der Wolgarepublik oder anderer autonomer Gebiete der Russlanddeutschen in der Sowjetunion; volle Rehabilitierung der Russlanddeutschen; freie Betätigung in der eigenen Sprache und Kultur; volle Glaubensfreiheit;
nachdem ein autonomes Gebiet nicht erreichbar schien, wollte man sich mit einer kulturellen Selbstbestimmung ohne eigenes Territorium zufriedengeben
Zusammengestellt von Marcus Ventzke u.a. nach: Peter Hilkes und Gerd Stricker, Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Gerd Stricker (Hg.), Deutsche Geschichte im Osten Europas. Rußland (= Deutsche Geschichte im Osten Europas), Berlin 1997, S. 221-260 sowie Lydia Klötzel, Die Rußlanddeutschen zwischen Autonomie und Auswanderung. Die Geschicke einer nationalen Minderheit vor dem Hintergrund des wechselhaften deutsch-sowjetischen/russischen Verhältnisses (= Osteuropa Studien, Bd. 3), 1997 sowie auf Grundlage von Informationen des Museums für russlanddeutsche Geschichte Detmold.

Aufgabe 2

  1. Vergleiche die in der Übersicht 'Unterschiedliche Vorstellungen in den Verbänden der Russlanddeutschen über die Zukunft (1989-1991)' erhobenen Forderungen.
  2. Entwirf ein eigenes Programm für die Zukunft der Russlanddeutschen in der Situation der Jahre 1990/91.

    • Beziehe dabei alle Informationen dieses und des letzten Kapitels ein.
    • Begründe deine Forderungen.

Aufgabe 3

Recherchiere nach Gründen dafür, dass viele Russen die Wiedererrichtung einer Wolgadeutschen Republik ablehnten.

3. Das vereinigte Deutschland und die Russlanddeutschen

Galerie: Wiedervereinigung und die Russlanddeutschen
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RIAN archive 428452 Germany becomes one country.jpg
CC 3.0 BY-SA

Im Jahr 1989 beseitigte eine Friedliche Revolution die Herrschaft der SED in der Deutschen Demokratischen Republik. Die Bürgerinnen und Bürger ließen sich u.a. vom Vorbild Michail Gorbatschows leiten und beseitigten die veränderungsunwillige SED-Herrschaft. Danach setzte eine Entwicklung ein, die zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten führte. Diese wurde am 3. Oktober 1990 vollzogen.

Mit der Entstehung eines vereinigten und weltoffenen Deutschland entstand für die Russlanddeutschen eine klare Perspektive für eine eventuelle Rückkehr in das Land, aus dem ihre Vorfahren gekommen waren. Zugleich erhielten die Russlanddeutschen nun auch eine starke finanzielle, organisatorische und politische Unterstützung aus Deutschland.
Dort, wo noch immer verstärkt Russlanddeutsche siedelten, entstanden in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion mit bundesdeutscher Hilfe nach 1990 viele kulturelle Einrichtungen. Beispielsweise wurden in Almaty, Karaganda, Omsk und Nowosibirsk Kulturzentren eröffnet.

Im Jahr 1990 schlossen die Regierungen Russlands und Deutschlands einen Vertrag, in dem sie die Förderung der russlanddeutschen Kultur vereinbarten.

Hörgeschichte: Kohl und Gorbatschow im Kaukasus
Diese Geschichte ist keine Quelle aus der oder für die Vergangenheit. Die Einzelheiten dieser Geschichte sind frei nacherzählt oder fiktiv. Das behandelte Thema und die vorgestellten Personen sind historisch nachweisbar. Ziel der Geschichte ist es, die Bedeutung einer Entscheidung oder eines Geschehens hervorzuheben.
Gesprochen von Florian Lange, Institut für digitales Lernen

 

Quelle 3

Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit (1990)

Artikel 15 
Die Bundesrepublik Deutschland und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken werden im Bewußtsein der jahrhundertelangen gegenseitigen Bereicherung der Kulturen ihrer Völker und deren unverwechselbaren Beitrags zum gemeinsamen kulturellen Erbe Europas sowie der Bedeutung des kulturellen Austausches für die gegenseitige Verständigung der Völker ihre kulturelle Zusammenarbeit wesentlich ausbauen.

Beide Seiten werden das Abkommen über die Errichtung und die Tätigkeit von Kulturzentren mit Leben erfüllen und voll ausschöpfen. Beide Seiten bekräftigen ihre Bereitschaft, allen interessierten Personen umfassenden Zugang zu Sprachen und Kultur der anderen Seite zu ermöglichen und fördern staatliche und private Initiativen.

Beide Seiten setzen sich nachdrücklich dafür ein, die Möglichkeiten auszubauen, in Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen die Sprache des anderen Landes zu erlernen und dazu der jeweils anderen Seite bei der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften zu helfen sowie Lehrmittel, Einschließlich des Einsatzes von Fernsehen, Hörfunk, Audio-, Video- und Computertechnik zur Verfügung zu stellen. Sie werden Initiativen zur Errichtung zweisprachiger Schulen unterstützen.

Sowjetischen Bürgern deutscher Nationalität sowie aus der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken stammenden und ständig in der Bundesrepublik Deutschland wohnenden Bürgern, die ihre Sprache, Kultur oder Tradition bewahren wollen, wird es ermöglicht, ihre nationale, sprachliche und kulturelle Identität zu entfalten. Dementsprechend ermöglichen und erleichtern sie im Rahmen der geltenden Gesetze der anderen Seite Förderungsmaßnahmen zugunsten dieser Personen oder ihrer Organisationen. 

Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung Nr. 133, 15.11.1990, S. 1379-1382.

Aufgabe 4

Diskutiert in der Gruppe über die Lage der Russlanddeutschen nach Ende des Sowjetunion. Was sollten sie tun?

Hinweis:
Dazu könnt ihr beispielsweise eine Podiumsdiskussion vorbereiten. Wie man das macht, erfahrt ihr im folgenden Hinweiskasten.

Merkkasten

Eine Podiumsdiskussion vorbereiten, durchführen und auswerten: Wie macht man das?

So könnt ihr bei Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einer Podiumsdiskussion vorgehen:

Vorbereitung:

  • Arbeitet in kleinen Arbeitsgruppen mögliche Positionen für eine Diskussion heraus (Dazu könnt ihr alle Kapitel dieses Buchs heranziehen. Sucht dabei nach einschneidenden Erfahrungen der Russlanddeutschen im Laufe ihres Lebens in Russland/in der Sowjetunion.)
  • Weist diese Positionen bestimmten Diskutanten zu.
  • Die Diskutanten gestalten diese Positionen weiter aus.
  • Bereitet den Raum für die Diskussion vor (Podium, Zuhörerraum usw.)
  • Bestimmt, ob und wie die Diskussion aufgezeichnet werden soll, z.B. als Film oder Audio.
  • Verteilt weitere Aufgaben (Diskussionsleiter, Protokollant, Fotograf usw.)

Durchführung:

  • Jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin muss gleichberechtigt zu Wort kommen können.
  • Der Diskussionsleiter bestimmt Ablauf, Redezeiten, Ordnung der Diskussion.
  • Fragen aus dem Publikum können zugelassen werden.

Nachbereitung:

  • Wertet den Verlauf der Diskussion aus. (Hat jeder seine Rolle ausgefüllt? Gab es Störungen? Was hat geklappt? Was muss verbessert werden?)
  • Wertet in der Gruppe die Ergebnisse der Diskussion aus.
    (Welche Meinungen wurden vertreten? Waren die angebotenen Verhaltensmöglichkeiten realistisch? Wie wurden sie begründet?)
Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen