2. Methode: Wappen

Institut für digitales Lernen
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CC 4.0 BY-SA

Wappen sind nicht unverständlich. Sie liefern wertvolle Informationen, die sich genauso entschlüsseln lassen wie schriftliche Quellen oder Bilder. Sie zu untersuchen ist aufregend: Man hat das Gefühl, eine Geheimsprache zu entschlüsseln. Auf dieser Methodenseite versuche ich anhand allgemeiner Merkmale zu zeigen, wie man Wappen einfach bestimmen und zuordnen kann.

Wappen haben zwei wesentliche Funktionen. Zum einen dienen sie als Erkennungszeichen und zum anderen sollen sie eine Geschichte über den Wappenträger erzählen.

Erkennungzeichen: Ritter sollten sich beim Turnier oder auf Reisen erkennen und angemessen behandeln können.
Geschichte über den Wappenträger: Wappen zu untersuchen bedeutet, etwas über die Herkunft, die (tatsächlichen oder nur beanspruchten) Rechte des Inhabers und seine Lebenseinstellung zu erfahren.

Dieses Wappen ist das Hochzeitsemblem Marias von Burgund und Maximilians von Habsburg aus dem 15. Jahrhundert. Die Eheleute stammten aus dem Hochadel. Ihr Wappen ist ein sogenanntes Allianzwappen.  Es soll die Vereinigung der beiden adeligen Geschlechter zeigen. Dazu verbindet es die wichtigsten Symbole und Farben beider Seiten. Diese Wappendarstellungen sollten also nicht nur die Hochzeit zweier Menschen symbolisieren, sondern auch die Verbindung der Dynastien, also der Herrscherfamilien, ihrer Besitztümer, Standessymbole, Privilegien und Familiengeschichten.

Methode 1

Elemente des Wappenschildes

Außer dem Wappen selbst besteht ein Wappenschild noch aus weiteren Elementen:

  1. An den Seiten des Schildes sind die Schildhalter zu finden, dabei handelt es sich meistens um Tiere oder Fabeltiere.
  2. Unter dem Schild werden die Orden gezeigt, darunter ist der Wahlspruch des Adelshauses zu finden.
  3. Über dem Schild kommt zunächst die Rangkrone. Diese drückt die Höhe des Adelsrangs aus (z.B. königlich, herzoglich, freiherrlich). Darüber folgt der Helm. Über dem Helm ist das Panier zu finden, dabei handelt es sich um den vom Träger gewählten Kampfruf.
Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen
Erkundung 1: Unterschiedliche Formen des Wappenschildes
Tobias Arendt, Institut für digitales Lernen
unterschiedliche Wappenformen
IDL

tartschenförmiges deutsches Schild: In die Auskerbung wurde während des Turniers die Lanze eingelegt.  

englisches Schild

italienisches Rossstirnschild

rautenförmiges Schild

französisches Dreiecksschild

mandelförmiges Schild

spanisches Schild

polnisches Schild

Erkundung 2: Verschiedene Elemente von Wappen

Kampfruf (Panier)

Helmzier

Helm

Schild

Schildhalter

Orden

Wahlspruch

1. Wie sieht ein Wappen aus? Untersuchung der Oberflächenstruktur

Erstellung, Benutzung und Entschlüsselung eines Wappens sind die drei Hauptaufgaben der Heraldik. 
Ein Wappenschild ist meist senkrecht, waagerecht oder diagonal geteilt. Es besteht somit aus Feldern, die einzelne Farbkombinationen, Gegenstände, Tiere, Fabelwesen usw. enthalten.

Methode 1

Farben und Bilderin Wappen

Farben (Tinkturen) sind ein Grundelement jedes Wappens: Rote, weiße, blaue, grüne, goldene und silberne Farben sind bei Wappengestaltungen grundlegend. Bilder sind entweder

  • Wappentiere (Löwen, Bären, Hirsche, Wölfe, Adler etc.),
  • Fabelwesen (Einhörner etc.)
  • Motive aus der Lebenswelt der Menschen, die

    • aus der Natur (Bergkuppen, Bäume, Blumen etc.),
    • dem Wohnumfeld (Stadtmauern, Türme, Burgen etc.) oder auch
    • dem Lebensalltag (Räder, Werkzeuge etc.) stammen können.

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

2. Welche Botschaften transportiert ein Wappen? Untersuchung der Tiefenstruktur

Methode 2

Untersuchung des Kampfgeschreis

Das Kampfgeschrei (Panier oder Parole) ist ein wichtiger Teil des Kampfes. Es soll dem Kämpfer Mut machen und den Gegner einschüchtern.
Während der Kreuzzüge riefen die Ritter unter anderem, wenn sie sich in den Kampf warfen: "Adjuva Deus!" ("Mit Gottes Hilfe!")
Auf dem Wappen signalisiert der Schriftzug des Kampfrufs die besondere Tapferkeit und Ehrenhaftigkeit des Wappenträgers. 

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

Methode 3

Untersuchung des Wahlspruchs

Der Wahlspruch (Devise) ist tiefgründiger als das Kampfgeschrei. Er soll z. B. eine bestimmte Lebensweisheit oder ein langfristiges Ziel zum Ausdruck bringen. Der Träger des Wahlspruchs bezieht sich in seinem Leben immer wieder auf ihn.Beispiele:

  • Das Adelsgeschlecht der Hohenzollern führte den Wahlspruch: "Nihil sine deo" ("Nichts ohne Gott").
  • Herzog Philipp III. von Burgund (Philipp der Gute), der Großvater Marias von Burgund, führte den Wahlspruch: "Aultre naray" ("Ich will keine andere"). Dieser Spruch war auf seine dritte Frau bezogen.
Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

Methode 4

Wappenträger

Zur Interpretation eines Wappens gehört auch, den Wappenträger genauer zu bestimmen. Handelt es sich um eine Einzelperson, eine Gruppe von Menschen oder eine Institution?

Wappen werden u.a. geführt von:

  • Familien (vor allem aus dem Adel oder dem reichen Bürgertum) 
  • Städten und Gemeinden 
  • Zünften
  • Wirtschaftsunternehmen
  • Universitäten 
  • Studentenvereinigungen 
  • kirchlichen Würdenträgern
  • Staaten

Alle diese möglichen Wappenträger zeigen sich mit einem Symbol oder einer Farbe im Wappen.

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen
Die Wappen der Gegenwart heißen 'Logos' und die Wahlsprüche 'Werbeslogans'.