6. Methode: Denkmäler

IDL
Methodenseite denkmal
CC 4.0 BY-SA

Warum verwenden Menschen viel Geld und Energie darauf, große Denkmäler für längst vergangene Ereignisse zu bauen? Für welche Ereignisse bauen Menschen Denkmäler? Und wie gehen wir heute mit den Denkmälern der Vergangenheit um? Interessieren uns Denkmäler überhaupt noch, oder passen sie eigentlich gar nicht in unsere Zeit?

Galerie: Denkmäler
Florian Sochatzy, IDL
Kolonialismus Denkmal Brüssel
CC 4.0 BY-SA

Ein Denkmal ist ein Bauwerk oder Kunstwerk, das an eine Person oder ein Ereignis erinnern soll. Denkmäler findet man z.B. in Form von Kriegerdenkmälern, Reiterstandbildern, Triumphbögen usw.

Denkmäler erinnern z.B. an 'große' Persönlichkeiten, an gewonnene Schlachten oder heldenhafte Personengruppen. Eine Sonderform des Denkmals ist das Mahnmal. Es soll an ein historisches Ereignis erinnern und dabei den Betrachter zu bestimmten Überzeugungen und Handlungen anhalten.

Denkmäler sagen immer etwas über die Zeit aus, in der sie errichtet wurden. Wir können somit heute sehen, was den Menschen in der Vergangenheit so wichtig und erinnerungswürdig erschien, dass sie daran über eine lange Zeit erinnern wollten. Welche Ideale und Wünsche hatten sie? Welche moralischen Vorstellungen trieben sie an?

Methode 1

Untersuchung vonDenkmälern in fünf Schritten

Bei der Untersuchung von Denkmälern kannst du in folgenden Schritten vorgehen:

  1. Frage nach Darstellungselementen des Denkmals:

    • Größe, Standort, Aussehen beschreiben
    • Bauform, Baustoffe, Beschriftungen, Darstellung von Personen, Symbole usw. ermitteln
    • Zusammenhang der einzelnen Elemente erklären

  2. Deute die Gestaltung des Denkmals:

    • Nach dem Baustil recherchieren
    • Wirkung der Darstellungselemente bestimmen
    • Bedeutung von Figuren, Beschriftungen und Symbolen erklären

  3. Frage nach Auftraggebern und Betrachtern des Denkmals:

    • Von wem, warum und für wen wurde das Denkmal gebaut?
    • Botschaft des Denkmals beschreiben (Was wollten die Auftraggeber des Denkmals aussagen? Was wollten/sollten die Betrachter wahrnehmen?)

  4. Beziehe weitere Informationen ein:

    • Informationen über die damalige Zeit herausfinden und einbeziehen (Politik, Gesellschaft usw.)

  5. Betrachte die im Laufe der Zeit am Denkmal geschehenen Veränderungen:

    • Änderungen in der Nutzung des Denkmals feststellen
    • Ist die Botschaft des Denkmals für heutige Betrachter noch verständlich/gültig?
    • Wie steht das Denkmal zu heutigen Werten und Normen?
    • Wie wird mit dem Denkmal heute umgegangen? (Wird es erhalten und gepflegt? Steht es im Zentrum heutiger Feierlichkeiten? usw.)

Florian Sochatzy, Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

Methode 2

Die verschiedenen Zeitebenen von Denkmälern

An Denkmälern lassen sich mehrere Zeitebenen unterscheiden:

  • Zeitebene t1: Das Ereignis, an welches das Denkmal erinnert, geschieht (Kriegsbeginn, Kriegsende, Tod einer besonderen Person usw.)
  • Zeitebene t2:  Das Denkmal wird errichtet.
  • Zeitebene t3:  Das Denkmal wird 'genutzt' (Menschen betrachten und deuten es.)
  • Zeitebene t3x, t3y, ...: Viele Denkmäler werden im Laufe der Zeit verändert (umgebaut oder mit anderen Botschaften versehen). Gesellschaften und damit auch die Ansichten von Menschen über Ereignisse der Vergangenheit ändern sich. Solche Veränderungen an Denkmälern kann man zu bestimmten Zeitpunkten (t3x ... t3y) feststellen.
    (Siehe für Beispiele die Galerie: Hermannsdenkmal).
  • Zeitebene t4: Bedeutung des Denkmals für den heutigen Betrachter.

Probier die Zeitebenen an einem Denkmal doch selbst einmal aus.

Marcus Ventzke, Institut für digitales Lernen

An einem Beispiel möchte ich dir nun vor Augen führen, wie sich ein Denkmal im Laufe der Zeit verändert. Das Denken und Fühlen von Menschen und Gesellschaften wandelt sich ja andauernd. Diese Wandlungen haben Wirkungen auf die Ansichten und Werte von Menschen. Und das zeigt sich dann auch am Umgang mit Denkmälern.
Was passiert, wenn ein Denkmal für Ansichten und Überzeugungen steht, die heutige Menschen ablehnen? Am Beispiel des Hermannsdenkmals kannst du erkennen, wie sich innerhalb von etwa 140 Jahren ein Denkmal völlig wandelte, obwohl es immer noch so aussieht wie zur Zeit der Erbauung.